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„Integration ist kein Selbstläufer“

Konzertpädagogin Franziska Pester, Orchesterdirektor Martin Weller, Melissa Leão (Interkulturelle Theaterscouts), Theaterpädagogin Anne Hartmann, Ronaldo Muuo (Teilnehmer des Schreibprojektes #LoewenMaul), Doris Bonkowski (Büro für Migrationsfragen), Chefdramaturg Axel Preuß und Opernsänger Michael Ha (v.l.) freuen sich auf die Themenwoche Interkultur. Foto: André Pause

Vom 20. bis zum 27. März findet die dritte Themenwoche Interkultur des Staatstheaters statt.

Von André Pause, 05.03.2014.

Braunschweig. Vier Tage Programm gab es im vergangenen Jahr, acht Tage sind es in diesem. Vom 20. bis zum 27. März veranstaltet das Staatstheater zum mittlerweile dritten Mal die Themenwoche Interkultur.

So skeptisch man auf den Sinn beziehungsweise die nachhaltige Wirkung solcher Veranstaltungen auch schauen mag, so erfolgreich war das hiesige „Festival für Vielfalt und kulturelle Teilhabe“ bei seiner letzten Auflage – zumindest zahlenmäßig mit fast hundertprozentiger Auslastung. Die Wirkkraft in Sachen Integration lässt sich da deutlich schwerer belegen. Selbst Ulrike Hatzer, Regisseurin am Jungen Staatstheater gab damals im Rahmen einer Podiumsveranstaltung unumwunden zu bedenken: „Die erwachsenen Migranten rennen uns deshalb trotzdem nicht gerade die Türen ein.“ Dieser Sichtweise ist bei fortgeführter, stetiger Beobachtung wenig hinzuzufügen. Aber sei es drum: „Die Integration ist kein Selbstgänger“, betont Staatstheater-Chefdramaturg Axel Preuß, der auf die Neugierde füreinander setzt. „Es ist unsere Aufgabe, die Gegenwart der multikulturellen Gesellschaft zu reflektieren und uns in die Stadt zu öffnen.“ An der Argumentation für das Festival hat sich wenig verändert: Natürlich liege die Themenwoche den Verantwortlichen am Herzen, natürlich werde mit ihr versucht, die gesellschaftlichen Verhältnisse widerzuspiegeln und noch natürlicher bedeute die Vielfalt auch kulturellen Reichtum. Dagegen ist grundsätzlich wenig einzuwenden, wenn da nicht ständig das Gefühl wäre, dass hier turnusmäßig die Bekehrten bekehrt werden ... Doris Bonkowski vom städtischen Büro für Migrationsfragen bringt eine Sache sehr schön auf den Punkt: „Kultur ist nichts Einheitliches, und es ist ein permanenter Prozess.“

Das mache die Sache für sie spannend – es macht die Sache insgesamt aber vor allem eines: schwierig. Menschen mit Schwellenangst oder gelernter Abneigung kommen nämlich selbst dann nicht ins Theater, wenn die Türen sperrangelweit geöffnet oder ausgehängt werden.

Das einwöchige Programm – Schwerpunkt ist dieses Mal das Thema Arbeitsmigration – mit Theater, Tanz und Konzerten findet im Großen Haus, im Kleinen Haus, im Haus Drei und dem LOT-Theater (Kooperation) statt. Erstmals wird das Angebot durch interkulturelles Kino erweitert, wird im Universum die Dokumentation „Mama illegal“ gezeigt. Wichtig ist den Verantwortlichen – Stichwort: Partizipation – darüber hinaus das umfangreiche Mitmachangebot der Themenwoche. So führt unter anderem das Schreibprojekt „#LoewenMaul“ junge Leute zwischen 13 und 30 Jahren aus verschiedenen Nationen unter professioneller Autorenanleitung zusammen, präsentiert die Fotoausstellungen „Made in Braunschweig“ eine junge Sicht auf die Stadt, oder treten Poetry-Slammer ins Wörtergefecht mit Vertretern des „i,Slam“ einer islamischen Spielart des Poetry-Slams.

Informationen zum Programm der Themenwoche und den bewusst niederschwellig gehaltenen Eintrittspreisen gibt es im Internet unter www.staatstheater-braunschweig. de .
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