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In den wilden Weiten vor den Toren Roms

„Alles klar?“, scheint Bela B (Mitte) seine Hörspiel-Mitstreiter Peta Devlin (r.) und Oliver Rohrbeck hier zu fragen. Foto: Pause
Braunschweig: Staatstheater |

Die-Ärzte-Schlagzeuger Bela B gastierte mit seinem Live-Hörspiel „Sartana“ im Großen Haus.

Von André Pause, 07.03.2017.

Braunschweig. „Wir machen jetzt eine Pause von 20 Minuten. Da haben Sie Zeit, sich das Stück schön zu trinken“, unkte Bela B am Ende der ersten Programmhälfte seines Gastspiels im restlos ausverkauften Großen Haus des Staatstheaters am Samstagabend.

Mit „Sartana – noch warm und schon Sand drauf“ kombiniert der in erster Linie durch seine Mitgliedschaft in der Punkrock-Gruppe Die Ärzte bekannte Schlagzeuger und Sänger gegenwärtig Italo-Western, Musik und Comic als Live-Hörspiel. Gemeinsam mit Sängerin Peta Devlin, den Synchron- und Hörspielprofis Stefan Kaminski und Oliver Rohrbeck (O-Ton Bela B: „Mr. Hörspielkassette“) sowie der Nürnberger Band Smokestack Lightnin‘ adaptiert Bela B Giuliano Carnimeos Western-Klassiker von 1970 in der sprachlich auf Ulk und Flachwitz getrimmten deutschen Fassung für die Bühne.

Mit dabei, beim Ritt durch „die wilden Weiten vor den Toren Roms“ ist als Dialogregisseur auch der Synchronchef des Films höchstselbst: Rainer Brandt – in der Liveversion freilich nur via Leinwandeinspielung. Die Voraussetzungen für einen vergnüglichen Abend scheinen angesichts des tollen Casts der Produktion günstig. Allein: Die Rechnung geht trotz geballter künstlerischer Expertise nicht ganz auf. Zum einen ist die Geschichte des Westernhelden Sartana, der sich nach Indian Creek aufmacht, um die Verantwortlichen der Ermordung des Goldsuchers Benson zu ermitteln, und en passant das Herz von dessen Landerbin und Salonbetreiberin Jasmine zu erobern, ausgesprochen dünn.

Zum anderen wird das Gewürz Improvisation allzu oft zur vollwertigen Zutat. Und auch Bela Bs Running Gag des Abends – einfach mal wieder aus heiterem Himmel einen mitspielenden Kollegen wegballern – nutzt sich im Laufe von drei Stunden erheblich ab.

Dem treuen Publikum allerdings gefällt das trashige Gesamtpaket, es amüsiert sich wie Bolle und spendet schließlich stehend Ovationen. Dem Zweifler bleiben als Höhepunkte des Abends immerhin die hörenswerten musikalischen Parts von Bela B und Peta Devlin. Der Country-Sound überzeugt – ganz ohne ihn sich schön trinken zu müssen.
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