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Im Theater viel Neues: Erinnerung an das Weltkriegsleid und Shakespeare

Operndirektor Philipp Kochheim, Chefdramaturg Axel Preuß, Tanzdirektor Jan Pusch, Generalintendant Joachim Klement, Orchesterdirektor Martin Weller und Andreas Steudtner, Junges Staatstheater, stellten gemeinsam das Programm der kommenden Staatstheaterspielzeit vor. Foto: A. Pause

Spielzeit 2014/15 mit 35 Premieren, davon acht Uraufführungen – „My Fair Lady“ für zwei Sparten.

Von André Pause, 21.05.2014.

Braunschweig. Generalintendant Joachim Klement fasste sich kurz bei der Spielzeitkonferenz des Staatstheaters. Ein Stück aus dem Schlusskapitel von Goethes „Wanderjahre“, ein paar Sätze zu Verbindungslinien zwischen Schöpfungsmythen und Theater, dann ging es stracks zum Programm der fünf Sparten.

Festgemacht ist das an allerhand Zahlen: Das Ende des Zweiten Weltkriegs jährt sich 2015 zum 70. Mal, der Ausbruch des Ersten Weltkriegs in diesem Jahr zum 100. Mal. Auch Shakespeares 450. Geburtstag wird bedacht.

Im druckfrischen Spielzeitenbuch posieren Schauspieler neben Tänzern, Tänzer neben Sängern und Sänger neben Schauspielern. Das „Wir“ entscheidet anscheinend nicht nur in der Politik. Das Ganze ist auch ein Wink mit dem Zaunpfahl: Für „My Fair Lady“ (Premiere am 24. Januar im Großen Haus) von Frederick Loewe arbeiten die Ensembles von Musiktheater und Schauspiel unter der Regie von Operndirektor Philipp Kochheim spartenübergreifend zusammen. Die Rolle der Mrs. Higgins besetzt als Gaststar die inzwischen 85-jährige Nadja Tiller.

Musiktheater

Ein weiterer Impuls von Kochheim, der seiner Philosophie, vergessene Opern wieder ins Licht der Öffentlichkeit zu rücken, treu bleiben möchte. Den Auftakt im Musiktheater macht mit Giacomo Meyerbeers „Der Prophet“ (19. Oktober, Großes Haus) ein Stück, das den Machtzuwachs eines selbsternannten (religiösen) Visionärs und Königs thematisiert, und damit Parallelen zur derzeitigen Situation in der Ukraine und in Russland aufweist. Selbst inszenieren wird der Operndirektor „María de Buenos Aires“ (6. Dezember, Großes Haus). Bei Astor Piazzolas Tango-Operita werden die Zuschauer auf die Bühne gebeten und somit Teil der Aufführung. Als Maria ist dabei Broadway-Star Yamil Borges zu erleben. Den Abschluss der Musiktheater-Saison auf dem Burgplatz markiert Giuseppe Verdis „Maskenball“ (4. Juli).

Schauspiel

Im Schauspiel eröffnet Stephan Rottkamp mit Shakespeares „Hamlet“ (26. September, Großes Haus) die Spielzeit. Der Dramatiker Philipp Löhle konnte für die Inszenierung von Faust-Preisträgerin Mina Salehpurs Globalisierungskomödie „Das Ding“ (28. September, Kleines Haus) gewonnen werden. Nach ihrem dringlichen Braunschweig-Debüt „Polnische Perlen“ wartet die Werkgruppe 2 in der kommenden Saison gleich mit zwei neuen Produktionen auf: „Erdbeerwaisen“ (23. Oktober, Hausbar) ist eine Reise zu den Kindern der verlassenen Generation in Rumänien, „Fliehen & Forschen“ (27. März, Kleines Haus) untersucht in einer Dokumentation unterschiedliche Migrationserfahrungen. Gleich drei von insgesamt zwölf Premieren setzen sich mit dem Weltkriegsleid auseinander. Nicolai Sykosch („Der nackte Wahnsinn“) inszeniert Remarques „Im Westen nichts Neues“ (22. November, Kleines Haus), Martin Nimz führt Regie bei Arthur Millers „Alle meine Söhne“ (21. März, Großes Haus) und Antoine Laubin, amtierender „Fast Forward“-Preisträger bringt „Szenarien“ zur Uraufführung (16. Mai, LOT-Theater).

Junges Staatstheater

Neue Dinge sehen, über die junge Menschen streiten, und an denen sie wachsen können, das verspricht Andreas Steudtner, Leiter des Jungen Staatstheaters, mit sieben Premieren und ebenso vielen Wiederaufnahmen. Mit „35 Kilo Hoffnung“, einer Geschichte über Schwierigkeiten in der Schule, geht es los im Haus Drei, „Pinocchio“ (9. November, Großes Haus) wird als Familienstück zur Weihnachtszeit gezeigt, und Büchners „Leonce und Lena“ (6. März, Kleines Haus), ein Klassiker über Erwachsenwerden in gesellschaftlichen Strukturen und Zwängen, ist für alle ab 13 Jahren. Produktionen in den Bereichen Kinderoper, Tanz und Theater für die Allerkleinsten stehen ebenfalls auf dem Programm.

Tanz und Konzert

Typisch israelische Choreografietradition, Rollenbilder beziehungsweise Frauen- und Männer-Klischees – so startet der Tanz in die Spielzeit.
Mit Roy Assafs „Girls & Boys“ erwartet Tanzdirektor Jan Pusch einen „möglicherweise zweiteiligen“ Abend (8. November, Kleines Haus) zum Thema Geschlechterkampf. Er selbst setzt sich in „Welcome to your World“ mit der Kommunikation von Gefühlen und Sehnsüchten im digitalen Zeitalter auseinander (7. März, Großes Haus).

Den Schwerpunkt der Symphoniekonzertreihe bildet die Zeit der Klassischen Moderne zwischen den Weltkriegen, fünf der zehn Konzerte stehen unter der musikalischen Leitung von Stefan Soltez.

Das komplette Programm der Staatstheaterspielzeit 2014/15 gibt es gedruckt sowie als pdf-Datei im Internet unter www.staatstheater-braunschweig.de .
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