Anzeige

Im Dreivierteltakt um zwei Weltkriege

Das Staatsorchester und Dirigent Stefan Soltesz (vorn rechts), Orchesterdirektor Martin Weller und die Solistin Anne Schuldt. (Foto: Susanne Hübner)

Neujahrskonzert in der Stadthalle. Auftakt mit einem "Totentanz". 3. Januar 2015. Von Ingeborg Obi-Preuß

"Den dicksten Brocken haben Sie schon hinter sich", sagte Orchesterdirektor Martin Weller nach dem ersten Stück von Maurice Ravel. 100 Jahre nach dem Ersten Weltkrieg und 70 Jahre nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges, habe das Staatsorchester und Dirigent Stefan Soltesz für das Neujahrskonzert nicht den bekannten Weg aus Walzer und Märschen gewählt, sondern Musik aus jener Zeit der Umbrüche und großen Katastrophen. Durchaus im Dreivierteltakt.
Aber eben gebrochen. Vor allem bei diesem ersten Stück des französischen Komponisten Ravel. Die Idee hatte der Künstler bereits 1906 gehabt, doch durch den ersten Weltkrieg - er war selbst Soldat - wurde "La Valse" zu "einem Totentanz", wie Martin Weller erklärte. Es stehe für das Niederbrechen einer ganzen Epoche.
Und das war deutlich zu hören. Romantisch, mit viel Tragik vor allem durch die Streicher und die Harfenklänge, dunkle, melodiöse Akkorde, mitunter marschiert die Musik geradezu im Rausch eines Walzers, um - immer wieder mit zum Teilen schrillen Momenten gebrochen - allen Glanz geradezu platt zuwalzen. Dirigent Stefan Soltesz und das Staatsorchester liefern ihr Meisterstück des Abends ab.

Aber auch die Nachfolger im Programm sind nur auf den ersten Blick vermeintlich leichtere Kost. 1945 begeisterte Richard Strauß mit der Orchestersuite zu seinem "Rosenkavalier" die Menschen in der Nachkriegszeit. "Wir haben versucht, gegen die Trostlosigkeit anzukomponieren", zitierte Weller den Komponisten. Es sind die schönsten Melodien aus seiner 1911 komponierten Oper. Feine Dialoge zwischen Streichern und Bläsern, der Dirigent scheint die Töne in der Luft zu formen und seinen Musikern direkt anzureichen. Virtuos und gefühlvoll, ein vielschichtiges Werk, dass Stefan Soltesz geradezu feinperlig und walzerherrlich präsentiert.
Ein spektakulärer Ritt ist die "Rumänische Rhapsodie" von George Enescu, dann zwei Lieder von Robert Stolz. Die für ihre erkrankte Kollegin eingesprungene Anne Schuldt lässt mit einem unglaublich kraftvollen Mezzosopran im Prater die Bäume blühn und im Saal die Menschen begeistert klatschen.
Und dann doch noch "richtig" Walzer. Von Johann Strauß Sohn: die Ouvertüre zu "Die Fledermaus", "Im Krapfenwaldl", "Eljen an Magyar!" Und - "Der Kaiserwalzer".
"Wer aber glaubt, Johann Strauß Sohn sei ein harmloser Unterhaltungskomponist, der irrt", erklärte Martin Weller und beleuchtete in Kurzform die historischen Hintergründe, vor denen der Kaiserwalzer 1889 sehr kontrovers diskutiert wurde.
Viel Applaus, mehrere Zugaben und zum Schluss - natürlich - der Radetzkymarsch zum Mitklatschen.
Information zu Weiterempfehlungen Einstellungen für Weiterempfehlungen
 auf anderen WebseitenSenden
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.