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„Ihr Dauerkartenbesitzer seid halt die Freaks“

Filmfestival-Vielgucker unter sich (v.l.): Jana, Claire, Rosita, Ann-Kathrin, Mike und Marni. Auf dem Bild fehlen mindestens noch Markus, Henning, Roberta und der Schreiber dieser Zeilen. Alle stehen via WhatsApp in Kontakt, tauschen sich zu Filmen aus oder verabreden sich zum gemeinsamen Besuch einzelner Festivalbeiträge Foto: André Pause

Beim 30. Internationalen Filmfestival Braunschweig befinden sich viele Marathon-Gucker unter den Besuchern – Kino bei Kaffee und Mettbällchen.

Von André Pause, 12.11.2016.

Braunschweig. Die Herrschaften sind fast alle in den Zwanzigern. Mindestens. Gut, nicht in Lebensjahren gemessen, sondern was die Zahl der geschauten Filme respektive der bis zum Sonntag noch geplanten Kinosaalbesuche im Rahmen des 30. Internationalen Filmfestivals Braunschweig anbelangt.

Der Schreiber selbst ist Teil einer WhatsApp-Gruppe, deren Mitglieder sich – wie in jedem November – den einwöchigen Leinwand-Marathon auf die Fahnen geschrieben haben. "Von manchen Kinobesuchern hört man schon mal: Ihr Dauerkartenbesitzer seid halt die Freaks“, sagt Rosita, die sich etwa 25 Filmfest-Projektionen gönnt, und sich, wie ein großer Teil des Abo-Publikums Urlaub genommen hat. Anders ist die Sause im Grunde auch nicht zu bewältigen – es sei denn, man ist wie Markus oder Marni, die journalistisch arbeiten und akkreditiert sind, in der glücklichen Lage Beruf und Leidenschaft zu verbinden. Doch auch in diesem Fall sollten die Kino-Sitzungen gut überlegt und geplant sein. „Der Vormittag besteht derzeit aus Büro und viel Bewegung an der frischen Luft. Ab Nachmittag heißt es dann: Freunde treffen, gemeinsam Filme Revue passieren lassen, Tipps geben und Empfehlungen einholen“, skizziert Marni, die sich aktuell auf Filme der Normandie- und der Heinrich-Reihe konzentriert. Die anderen stecken ihr Programm zwar ebenfalls nach Leidenschaft, müssen teilweise jedoch zusätzlich die mediale Verwertbarkeit im Blick behalten. So bereitet Markus verschiedenste Themen der Filmfesttage fürs Radio auf. Software-Entwickler Mike – der extra aus Kiel angereist ist, und ehrenamtlich für das Portal Filmmusik 2000 schreibt – interessiert sich in erster Linie für formal-filmische Aspekte wie Musik, Kamera oder Ausstattung: „Die Handlung ist deshalb nicht unwichtig, für mich oftmals aber gar nicht so entscheidend.“

Für Ann-Kathrin und Claire, die seit Jahren sehr emotional bei der Sache sind, spielt sie hingegen eine große Rolle. Die Freundinnen haben gemeinsam mit Henning die meisten Filme auf der Agenda: 28. „Wir schauen die Filme des Heinrich-Wettbewerbs, ansonsten noch vieles querbeet, was uns beim Lesen des Programmbuches angesprochen hat“, erzählt Claire, die die WhatsApp-Gruppe zur Begeisterung aller im vergangenen Jahr ins Leben gerufen hat, und zugleich die eifrigste unter den Facebook- und Twitter-Poster/innen ist. Pensumbedingt erscheint es nur logisch, dass die beiden regelmäßig das ausgereifteste Selbstverpflegungs-Konzept vorweisen können: Mettbällchen und Maissalat á la Claire beispielsweise sind längst legendär.

Bis Sonntagabend wird das Filmfestival nun noch zelebriert. Darauf freuen sich Normalbesucher und Marathon-Gucker gleichermaßen. Henning, dessen persönliche Favoriten bis zum Bergfest „The Paradise Suite“, „My First Highway“ und „Aloys“ sind, und der gerne Filme auswählt, bei denen Gäste aus den Filmteams anwesend sind, die im Rahmen von Frage-Runden erhellende Einsichten in das Denken und Arbeiten rund um das Gemeinschaftswerk Film ermöglichen, fasst die von der Leuchtturm-Veranstaltung ausgehende Faszination wie folgt zusammen: „Mir geht es darum, horizonterweiternde Geschichten oder Betrachtungsweisen erzählt zu bekommen, da finden sich in allen Reihen Filme, die dies versprechen.“ Dieses Statement kann zumindest die gesamte WhatsApp-Gruppe glatt unterschreiben.
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