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Ich war im Kino: Tops und Flops im Februar

Kurt (Tom Gramenz) und seine Klassenkameraden halten eine Schweigeminute ab Foto: Verleih

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Von Ingeborg Obi-Preuß, 07.03.2018. 

Braunschweig. Mein Oscar goes to – Das schweigende Klassenzimmer. Die Geschichte von Kurt und Theo. Die beiden Freunde und ihre Klassenkameraden stehen kurz vor dem Abitur. Im Oktober 1956 erfahren die zwei Abiturienten aus Eisenhüttenstadt bei einem Besuch in Westberlin von den Unruhen in Ungarn. Als der Aufstand blutig niedergeschlagen wird, organisieren sie eine Schweigeminute in ihrer Klasse, was massive Repressionen der DDR-Behörden nach sich zieht. Die noch junge Staatsmacht wittert Konterrevolutionäre und beharrt auf der Nennung der Schuldigen. Eine Geschichte von Mut und Verzweiflung, von Freundschaft, Familie, Haltung und Werten.

Der 1973 geborene Regisseur Lars Kraume („Der Staat gegen Fritz Bauer“) gelingt ein eindringliches Porträt. Er verdichtet die auf wahren Begebenheiten beruhende Geschichte bis auf die Momente, in denen jeder Einzelne im großen Staatsbetrieb auf sich zurückgeworfen wird und für sich Antworten finden muss. Sein vielleicht größter Verdienst: Jugendliche von heute fühlen sich angesprochen. Mein Tipp: Lehrer sollten mit ihren Schülern gemeinsam in diesen Film gehen. Besser kann Unterricht gar nicht laufen.

Großartig: Die dunkelste Stunde. Mai 1940. die Wehrmacht hat Westeuropa schon fast zur Hälfte überrollt. 200 000 britische Soldaten sind in Dünkirchen eingeschlossen, die Briten haben Angst vor einer Invasion, der neue Premierminister Winston Churchill soll mit den Nazis einen Friedensvertrag aushandeln. Doch Churchill ahnt, dass Hitler kein Vertragspartner ist. Der unbeliebte Staatsmann findet im König einen Verbündeten, und seine letzten Zweifel werden bei seiner ersten(!) U-Bahn-Fahrt zerstreut. Churchill redet mit den Fahrgästen, fragt sie nach ihrer Meinung. Danach ist er sicher: Keinen Pakt mit dem Teufel.

Mein Flop: Das Leben ist ein Fest. Die guten Schauspieler kommen gegen die schwache Inszenierung nicht an. Eine Hochzeitsplanung, die aus dem Ruder läuft, aber keiner weiß, warum, dauernde Hektik, die sich nicht erschließt, eine hölzerne Synchronisierung, ständiges, überflüssiges Fluchen – schade.

Störrisch: Three Billboards outside Ebbing, Missouri. In der US-Provinz will eine Mutter den Mord an ihrer Tochter aufklären und macht sich ihr Städtchen zum Feind. Auch dieser Film krankt an der Synchronisierung. Ständige Schimpfworte („Fuck“) wirken auf Deutsch störend. Vielleicht ist es aber auch das permanente Wechselbad zwischen Sympathie und Abneigung zu den Hauptfiguren. Eine gewaltige Geschichte, ein störrischer Film.
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