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„Ich mache keine Ego-Show“

Ein Leben ist nicht genug: Der Arzt und Musiker Jan Behrens. Fotos: Ammerpohl

Arzt und Musiker Jan Behrens will mit seinen beiden Berufen anderen helfen – ein Porträt.

Von Birgit Leute, 07.09.2014.

Braunschweig. Der Mann muss zwei Motoren haben: Beim Termin hat Jan Behrens schon neun Stunden Frühschicht hinter sich, doch von Müdigkeit keine Spur. Irgendwie schafft es der Arzt und Musiker, seine beiden Jobs und die vielen Pläne darum herum unter einen Hut zu kriegen.

„Na ja, ich merke schon, wenn es zu viel wird, und ich einen Gang runterschalten muss“, wehrt Behrens bescheiden ab. Dennoch: Der 39-Jährige fällt an dem kleinen runden Tisch vor der Studentenkneipe überhaupt nicht weiter auf. Behrens, lässig in Jeans und blauem Hemd, sprudelt munter drauflos und wirkt unglaublich jung.
Dabei steht der gebürtige Braunschweiger eigentlich ständig mit dem Fuß auf dem Gas. Arbeitstage von bis zu
14 Stunden sind bei ihm die Regel, nicht die Ausnahme. „Ich kann halt das eine nicht ohne das andere machen“, sagt er mit Blick auf seine beiden Jobs.
Seit zwei Jahren arbeitet Behrens als Assistenzarzt im Krankenhaus St. Vinzenz. Erst in der Kardiologie, dann in der Lungenabteilung, „eine schnelle Medizin“, so Behrens. Die langen Schichten, Wochenenddienste und das menschliche Leid verarbeitet er nach Feierabend mit der Musik. Denn: Behrens ist auch Jazzpianist, Komponist und Mitglied einer Band. „Ich bin ein systematischer Typ: Erst habe ich Musik studiert und später noch das Medizinstudium drangehängt“, erzählt er. Der Notnagel für schlechte Zeiten? Behrens wiegt den Kopf: „Sicher gibt mir die Arbeit finanzielle Freiheiten, aber ich habe den Beruf nicht bloß aus Berechnung ergriffen: Menschen zu helfen, sie zu heilen, war immer wichtig für mich.“
Im Grunde setzt er diesen Gedanken in der Musik fort. 2011 startete er die Reihe „Silent Lights“ mit eigenen, eher ruhigen Kompositionen. Drei CDs sind bereits erschienen; im Dezember kommt die vierte heraus. „Die Welt ist hektisch geworden, die Leute sind gestresst, da ich ’verschreibe‘ dann ganz gerne mal mehr Ruhe“, lächelt Behrens. Und nicht nur das. Denn die „stillen Lichter“ sind keine „Ego-Show“ (O-Ton Behrens). Mit den Einnahmen aus dem Verkauf unterstützt er gemeinnützige Initiativen wie „Kinder in Armut“, das Netzwerk gegen Depression oder die medizinische Versorgung von Obdachlosen. Derzeit hat der umtriebige Mann schon neue Pläne: Im kommenden Jahr hängt er seinen Arztkittel vorübergehend an den Nagel und tourt unter anderem mit Bandpartner Jürgen Osterloh durch Deutschland. Titel der Reise „Die ehrliche Tour“. „Wir wollen mit dem Rad von Konstanz bis nach Baltrum fahren, spontan an ungewöhnlichen Orten spielen und Spenden sammeln“, erzählt er von seiner „Sabbatzeit“ mit Wohnmobil und 5000 CDs im Gepäck.
Entschuldigung, Herr Behrens, bleibt da eigentlich noch Zeit fürs Privatleben? „Na ja, ich lebe alleine“, gibt Behrens mit seinem Große-Jungen-Lächeln zu. „Aber eine Familie hätte ich schon gerne, auch wenn ich das Künstlersein nicht aufgeben könnte“, sagt er.
Ach ja, und nach Norwegen möchte er auch noch. Ins Fjell. Um auszuspannen? „Auch, aber auch um Inspirationen für mein neues CD-Projekt – inspiriert von der Musik Bachs – zu finden.“ Wie gesagt: Der Mann muss zwei Motoren haben.
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1 Kommentar
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Frauke Urbons aus Braunschweig - Innenstadt | 09.09.2014 | 16:42  
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