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„Ich kann nicht vergessen“

Asadur Asadian vor dem Bild „Angstvolle Nächte“. Fotos: Thomas Ammerpohl
 
Auffällig für die Kunst von Asadian: Christliche Motive

Asadur Asadian verarbeitet in seinen Bildern den armenischen Völkermord – Ausstellung.

Von Birgit Leute, 15.04.2015.

Braunschweig. Aus den Schulbüchern musste er gestrichen werden, öffentlich darüber zu reden, kann heute noch lebensgefährlich sein: Vor hundert Jahren ereignete sich in der Türkei ein Völkermord, dem 1,5 Millionen Armenier zum Opfer fielen. Die Ausstellung „Never again – eine armenische Passion“ in der St.-Michaelis-Kirche und der Jakob-Kemenate will daran erinnern.

Noch bis zum 9. Mai sind Bilder des Künstlers Asadur Asadian zu sehen. Bedrückend schildert der Armenier darin, was er aus Erzählungen und Bildern von dem Ereignis kennt. Seine Motive: Menschen, die durch staatliche Gewalt zur Flucht gezwungen werden, eingepferchte Kreaturen, abgeschlagene und zur Schau gestellte Köpfe.
Die realistisch-expressiven Gemälde erinnern an einen Vorfall in der Geschichte, der praktisch vergessen ist: 1915 fielen schätzungsweise rund 1,5 Millionen armenische Christen einem Massaker durch die türkische Regierung zum Opfer. Die Geschichtsschreibung spricht vom ersten Genozid des 20. Jahrhunderts.
In Asadians Stimme schwingt tiefe Bitterkeit, wenn er von sich und seinem Volk erzählt, „Die einzige Möglichkeit, an das Leid zu erinnern, es zu verarbeiten, ist die Kunst“ sagt er. Bis heute sei es in der Türkei verboten, über den Völkermord zu reden, die Opfer würden im Nachhinein zu Tätern gemacht. „Ein befreundeter Journalist, der versuchte, die Geschehnisse von damals aufzudecken, ist 2007 in Istanbul ermordet worden“, erzählt Asadian.
Auch seine eigene Familie wurde zerrissen. 1951 in Anatolien geboren, siedelte der Künstler nach Deutschland über und studierte an der Hochschule für Bildende Künste. Ein Zurück – das gibt es für ihn nicht mehr. „Ich kann das Unrecht nicht vergessen“, sagt er und mahnt: „Auch die heutigen Armenier, die in Syrien leben, sind wieder in Gefahr – dieses Mal durch Islamisten.“
Die rund 60 oft großformatigen Werke von Asadian sind in der Jakob-Kemenate montags bis samstags von 10 bis 18 Uhr und sonntags von 12 bis 18 Uhr zu besichtigen, in der St.-Michaelis-Kirche mittwochs und freitags von 9 bis 12 Uhr und nach dem Gottesdienst am Sonntag. Der Eintritt ist frei.

Die Armenier

Der Völkermord an den Armeniern passierte während des Ersten Weltkrieges unter der jungtürkischen Regierung des Osmanischen Reichs.
Diesem ersten systematischen Genozid des 20. Jahrhunderts fielen bei Massakern und Todesmärschen, die im Wesentlichen in den Jahren 1915 und 1916 stattfanden, Tausende Menschen zum Opfer.
Die Ereignisse, die von den Armeniern selbst mit dem Begriff Aghet – „Katastrophe“ – bezeichnet werden, sind durch umfangreiches dokumentarisches Material aus den unterschiedlichsten Quellen belegt. Weltweit erkennen die weitaus meisten Historiker diesen Völkermord daher als Tatsache an. Dagegen bestreiten die offizielle türkische Geschichtsschreibung und die Regierung der aus dem Osmanischen Reich hervorgegangenen Republik Türkei, dass es überhaupt einen Völkermord gegeben habe.
Sie bezeichnen die Deportationen als „kriegsbedingte Sicherheitsmaßnahmen“, die notwendig geworden seien, da die Armenier das Osmanische Reich verraten, seine damaligen Kriegsgegner unterstützt und ihrerseits Massaker an Muslimen begangen hätten.
Die Todesfälle führen sie auf ungünstige Umstände und lediglich vereinzelte Übergriffe zurück. Der Streit um die Anerkennung des Genozids als historische Tatsache belastet bis heute die Beziehungen zwischen der Türkei einerseits und Armenien sowie zahlreichen westlichen Staaten andererseits. Quelle: Wikipedia
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