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„Ich habe auch keine Lösung“

Literaturfestival Seitenweise: Henryk M. Broder und seine „Kritik der reinen Toleran

Von Sebastian Walther

Braunschweig. Auf der Bühne steht eine strahlende Silke Behrens und „kann es gar nicht fassen“. Sie ist beim Literaturfestival Seitenweise für die Programmplanung zuständig und hatte schon gar nicht mehr daran geglaubt, Henryk M. Broder ihren Gästen einmal vorstellen zu können. In diesem Jahr hat es geklappt, auch wenn man sich hinterher fragte, was die Aufregung sollte.

Eine Sammlung von „Absurditäten, die ich wahnsinnig witzig finde“, sei sein neuestes Buch, gibt Deutschlands vielleicht streitbarster Publizist vorab bekannt. „Eigentlich war es als lose Blattsammlung geplant, die man monatlich erweitert, da das Buch mit der Realität gar nicht Schritt halten kann.“ Erschienen ist die „Kritik der reinen Toleranz“ dann doch in der herkömmlichen Buchform.
Mit hörbarem Spaß am Irrwitz seiner Meldungen verliest Broder schließlich nach einstimmender Einleitung über plärrende Babys und telefonierende Tischnachbarn Meldungen, Berichte oder schlicht Beobachtungen, die vom fehlerhaften Toleranz-Ansatz der Deutschen zeugen. Sein Standpunkt wird schnell deutlich: Die Deutschen verwischen vor lauter Angst die Grenzen aufzuzeigen, eben jene und „schützen so die Starken vor den Schwachen“. Es geht vor allem um den Umgang mit fanatischen Islamisten, die überall auf der Welt an Einfluss gewinnen. Da macht der Broder auch nicht vor dem Rezitieren von HipHop-Songs Halt. Nach einer Stunde ist Pause und meine Tischnachbarin bemerkt treffend: „Er ist ziemlich soft, ich dachte, er greift mehr an.“
Soweit kommt es in der anschließenden Leser-Diskussion dann doch nicht. Der 62-Jährige erzählt von seinem Online-Projekt („Achse des Guten“), wie gern er ungerecht sei („das macht mir am meisten Spaß“), dass er Politiker geworden wäre, hätte er eine Antwort auf seine Fragen („Ich habe auch keine Lösungen“) und woran er wirklich glaubt („Reisen, Lesen, Essen und Sex“) – der Gipfel der Provokation an jenem lauen Abend.
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