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I sing a Liad für di

Andreas Gabalier in der ausverkauften Volkswagenhalle. (Foto: Thomas Ammerpohl)
  Braunschweig: Volkswagenhalle |

Hammershow in der ausverkauften Volkswagenhalle - Andreas Gabalier feiert mit 7500 Fans ein fantastisches Fest

Braunschweig, 7. November 2015, Von Ingeborg Ob-Preuß.
" I sing a Liad für di" - das wohl bekannteste Mitmachkonzept aus Österreich für ein Mehrgenerationenhaus funktionierte auch in Braunschweig. Und alles andere auch. Dabei ritt Andreas Gabalier den steirschen Ochsen fast bis zum Umfallen - aber eben nur fast. Das "I bin nur a anfacher Alpenbub"- Mantra greift; und immer ganz kurz, bevor es peinlich werden könnte, kriegt der "Volks-Rock 'n' Roller" lässig die Kurve: "Klingt jetzt wieder a bisserl kitschig - ist es aber auch", kündigt er selbstironisch den nächsten Song an.

Alpenglühen in Braunschweig - das muss erst mal einer hinkriegen. Mindestens die Hälfte der Besucher ist komplett im Trachtenlook. Aber richtig, mit schmucken Dirndl, Holz vor der Hüttn, Lederhosen und Karohemd. Unfassbar.
Ihr "Meister" ist das Vorbild. Der selbst ernannte "Mountanmain" ist rot kariert garniert bis zu den Ohrstöpseln. Ein Mannsbild vom Feinsten, mit Muskeln "hoart wie Geltschereis" kann er sich modische Grenzgänge leisten. Kurze Lederhose und Trägershirt geben den Blick auf einen super trainierten Körper frei. Der Junge ist einfach fesch. Dazu das frische Gesicht, wache Augen - und dann diese Stimme. Besonders bei seinen langsamen Liedern kann er einen rauen Schmelz abrufen, der das Wort Sehnsucht geradezu buchstabiert. Gabalier kann Gänsehaut.

Und er muss mal mit uns reden. Zuvor singt er die Ballade "A Meinung haben". Er hatte Diskussionen ausgelöst, weil er die österreichische Nationalhymne in der alten Fassung singt ("stolze Söhne - den aktuellen Zusatz "stolze Töchter" lässt er weg). Er ist deutlich angefasst. Immer wieder werden auch seine Texte als "rechts" diskutiert, die "taz" sprach gar von "Blut-und-Boden-Liedern".
"Nicht alles glauben, was in der Zeitung steht", sagt er an diesem Abend, "so böse ist der Gabalier nicht." Und noch etwas hat er auf dem Herzen: "Wenn ich schon hier in der Volkswagenhalle spielen darf, muss ich Euch sagen, dass es mir unverständlich ist, wie hier auf ein Unternehmen eingehackt wird, das Hunderttausenden weltweit Arbeit gibt. Und das im eigenen Land." Tosender Applaus.

Der "Andy" liefert ab. Ein Abend wie ein Fest. Laut, stampfend, mitunter schunkeln 7500 Menschen in der VW-Halle - ein ganz seltenes Bild.
Aber auch leise. Berührend seine Art, sehr private Gefühle anzusprechen: Er singt ein Lied für eine krebskranke Freundin und geht offen mit seiner dramatischen Geschichte um - sein Vater, als auch seine kleine Schwester haben Selbstmord begangen. Er will den Schmerz mit anderen teilen. "Für alle, die auch einen lieben Menschen verloren haben", sagt er und singt das Gedicht, das er nach dem Tod des Vaters geschrieben hat. Eines seiner besten Lieder. Der Refrain geht so: Amoi seg ma uns wieder / Amoi schau i a von obm zua / Auf meine oitn Tag leg i mi dankend nieder / Und moch für olle Zeitn meine Augen zua.
Danach ist Stille im Saal.

Aber er wäre nicht Andreas Gabalier, wenn er es nicht noch mal krachen lassen würde. Gegen Tickets für das Konzert nächstes Jahr in München lässt er sich Büstenhalter auf die Bühne werfen.
Jetzt noch mal alle: I sing a Liad für di, der Andy lasst den "super Oarsch" kreisen, die Band gibt Vollgas, die Background Mädels lassen die Dirndl fliegen - da legst di nieda.
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