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Humphrey, was würdest du tun?

Linda (Celine Lochmann) und Allan (Florian Battermann) sind gute Freunde – und vielleicht mehr. Foto: imagemoove/oh

Woody Allens „Play it again, Sam“ wird in der Altstadtmarktkomödie zu „Spiel‘s noch mal, Sam“.

Von André Pause, 05.03.2014.

Braunschweig. Dass die Komödie am Altstadtmarkt auch Stoffe kann, die den Besucher nicht pausenlos unter den Achseln killern, beweist sie mit der Adaption von Woody Allens „Play it again, Sam“.

Auch wenn Regisseur Jan Bodinus die melancholisch-tragische Grundstimmung des Filmklassikers von 1972 nicht wirklich einzufangen vermag, gelingt ihm mit „Spiel‘s noch mal Sam“ eine solide wie kurzweilige Inszenierung.
Der Einstieg in den Abend erfolgt über Filmszenen des Films „Casablanca“. Humphrey Bogart flimmert durch das Wohnzimmer des sitzengelassenen Filmkritikers Allan Felix. „Uns bleibt immer noch Paris“, wird dort in schwarz-weißer Abschiedsszene geschmachtet. Verdammte Axt, und was bleibt Allan, dem armen, einsamen Kerl? Nicht viel. Die Rolle des intellektuellen Blässlings, einst von Woody Allen für Woody Allen konzipiert, spielt Theaterchef Florian Battermann entsprechend hängeschultrig mit offensichtlicher mentaler Zerknirschtheit.

Glücklicherweise kann das befreundete Pärchen, Linda und Dick, die Sorgenmiene samt Kinn stützender Hand schon gar nicht mehr mit ansehen und beschließt: Da muss es im Großraum New York einfach etwas zu verkuppeln geben. Die Anbahnungsversuche mit Sharon, Gina, Vanessa und Co., allesamt sehr unterhaltsam gegeben von Lena Stamm, scheitern jedoch an Allans Spleen, so cool und unwiderstehlich sein zu wollen wie Humphrey Bogart. Immer wieder wird das große Idol zum Zweck des Zwiegesprächs – Motto: Humphrey, was würdest du tun? – als fast mannshohe Figur in die Bühnenkulisse gedreht. Während die Tipps des Leinwanderprobten Flirtcoaches („Sag ihr nicht, dass du nicht trinkst, sonst hält sie dich für einen Waschlappen“) allesamt nicht zum erwünschten Erfolg führen, fühlt sich die ihrerseits vernachlässigte Linda nach und nach stärker zu Allan hingezogen.

Celine Lochmann fährt die Gefühlsachterbahn von der guten Freundin zur Affäre gekonnt mit. Da entgleisen vor lauter Hin- und Hergerissenheit schon mal die Gesichtszüge.
Dass das schöne Paar sich am Ende nicht bekommt, liegt daran, dass nicht sein kann, was nicht sein darf. Der gehörnte Dick ist doch eigentlich ein drolliges und geschäftiges Männchen (drollig gespielt von Kay Szacknys). Den verlässt frau nach dem Antesten der Alternative nicht einfach so. Welch ein Glück für Allan: Die neue Nachbarin Barbara scheint eine Person ganz nach seinem Geschmack zu sein ...

Der Premierenbeifall für dieses eher den Kopf als das Zwerchfell beanspruchende Stück ist freundlich. Bis zum 29. März sowie vom 9. bis zum 3. April ist „Spiel‘s noch mal, Sam“ in der Komödie zu sehen. Weitere Infos gibt es im Internet unter www.komoedie-am-altstadtmarkt.de .
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