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HSC Leu spielte 1963 0:0 in Altona: Zeitzeugnisse aus Wetterfahnen geholt

Jahrhunderte alte Knäufe sind im Dom geöffnet worden – Zeitungen, Geld, Nachrichten, Dokumente in Kartuschen.

Von Martina Jurk, 23.09.12

Braunschweig. Was ist drin in den Knäufen der Dom-Wetterfahnen? Diese spannende Frage beschäftigte am Freitag nicht nur Dom- und Kirchenvertreter, sondern auch zahlreiche Menschen.

In einer für die interessierten Passanten und Medien spektakulären Aktion werden die Wetterfahnen von den beiden Türmen des Doms aus 60 Metern Höhe mittels eines Hubkrans auf den Boden befördert. Mitarbeiter der Werkstätten für Denkmalpflege Quedlinburg montieren angeschnallt aus einem Hubwagen heraus die Fahnen ab. Fotoapparate klicken, Köpfe ragen nach oben, Neugierige fragen in die Runde, wie lange es noch dauern würde. Eine gute Stunde müssen sie ausharren, bis endlich das Geheimnis gelüftet wird.
Wie alt die Wetterfahnen sind, ob sie schon einmal zur Erde geholt, und ob die Knäufe jemals geöffnet wurden, auf diese Fragen hat Domprediger Joachim Hempel auch keine Antworten. Auf dem Platz vor dem Dom abgestellt, werden als Erstes die Jahreszahlen sichtbar: 1679 und 1691.
Und dann aber auch gleich der besorgniserregende Zustand zumindest einer der Fahnen. Wetter und Zeit haben ihre Spuren hinterlassen, durch Korrosion ist das Kupferblech brüchig geworden. „Wenn wir das jetzt nicht gemacht hätten, wären uns die Fahnen in absehbarer Zeit auf den Deckel gefallen“, prophezeit Hempel. Der Domprediger weiß die Zeit, aus der die Wetterfahnen stammen, sofort einzuordnen. Ende des 17. Jahrhunderts sei das nahezu selbstständige Braunschweig von den Wolfenbütteler Herzögen erobert worden – und hätte gewissermaßen Flagge gezeigt.
Ein Wasserschaden am Nordturm des Doms machte Dachsanierungsarbeiten notwendig. Die Chance bot sich, die Wetterfahnen genauer in Augenschein zu nehmen. Auf der des Südturms steht nur die Jahreszahl Anno 1679, auf der des Nordturms stehen die Jahreszahl 1691 und die Buchstaben S.B. für St. Blasius. Die Figur des Blasius hält ein Horn in der Hand – das Erkennungszeichen des Heiligen.
Endlich ist es soweit. Die Knäufe werden im Dom vor zahlreichen Zuschauern geöffnet. Zum Vorschein kommen eine Braunschweiger Zeitung vom 21. Oktober 1968, 1000 Reichsmark von 1923, eine Nachricht von 1838 für den herzoglichen Kammerdirektor und einiges mehr.
Eine Rechnung belegt, dass im Zuge von Bauarbeiten 1967/68 die 1679er Wetterfahne aus Kupfer neu gefertigt wurden. Die Öffnung des Nordturm-Knaufs verrät, dass die 1691er Wetterfahne 1963 geöffnet wurde, nachdem sie durch einen Sturm beschädigt worden war. Außerdem eingelegt sind Zeitzeugnisse von 1854, 1863 und 1886. „Das lässt darauf schließen, dass mein Vorgänger die jahrhundertealten Dokumente mit aktuellen der 1960er Jahre zusammen wieder in die Knäufe getan hat“, so Joachim Hempel. Alles werde jetzt ausgewertet und geprüft.
„Ab dieser Woche beginnen die Dachdeckerarbeiten, die vier bis sechs Wochen dauern werden“, sagte Joachim Tappe, Architekt des Landeskirchenamtes und Bauleiter. Die Gesamtkosten betragen 100 000 Euro.
2949,24 D-Mark haben die Braunschweiger für die Wetterfahnen gespendet. Das entspricht einem Eurobetrag von 2086, den die Braunschweigische Landessparkasse auf 4000 Euro aufgestockt hat.
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