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Hinter jeder Tür eine Ideenschmiede

Bis zum Sonntag will Erik Gebbert an seiner Lebensgeschichte schreiben – ein Prozess des Sich-Findens und Verlierens. Foto: T.A.

Noch bis Sonntag: Hochschule für Bildende Künste lädt ein zum Rundgang durch Ateliers und Werkstätten.

Von Marion Korth, 23. Juli 2014.

Braunschweig. Alles auf Neustart. Nicht, dass es den HBK-Rundgang nicht schon länger gäbe, in diesem Jahr aber liegt der Hochschule für Bildende Künste mehr als sonst daran, zu zeigen, was sie kann. Gestern wurde der Rundgang eröffnet, verbunden mit der Einladung an die Braunschweiger, „ihre“ Hochschule zu entdecken.

Die Eröffnung draußen im Hof glich einem Sommerfest, keine dunklen Wolken am Himmel, aber im Hintergrund. Überschuldung, Missmanagement, Streit – die HBK hat schwere Zeiten hinter und vor sich, der Konsolidierungskurs ist hart. Dass er gelingen muss, führt der Rundgang eindringlich vor Augen. Mit jeder Tür, die sich zu einem der Ateliers öffnet, öffnet sich der Blick in einen Kosmos der Fantasie und des Ideenreichtums.
Meisterschüler Erik Gebbert dringt in seinem Atelier oben unter dem Dach in die Tiefe, auch in die seiner eigenen Person. In einen Sandstein aus dem Elm meißelt er seine Lebensgeschichte. Selbst in Kurzform würde sie kaum auf den Block passen, Runde um Runde überschreibt er den Text, die Informationen fallen als Staub zu seinen Füßen, verflüchtigen sich, nehmen etwas mit, während neue Buchstaben entstehen. Bis zum 27. Juli, dem Ende des Rundgangs, will er in seiner Performance den Stein, sich selbst und das Leben umkreisen.
Die Industriedesigner gleich neben der Mensa können nur hoffen, dass die Besucher ihren Rundgang möglichst bei ihnen beginnen und nicht gleich ermattet auf den Ausstellungsstücken, Stühlen, Platz nehmen wollen. „Das sind alles Unikate, alle hoffen, dass sie unbeschadet bleiben“, sagt Professorin Kerstin Kaczmar. Die Studenten hatten die Aufgabe, aus einer Holzbohle einen Stuhl, der noch dazu biologisch abbaubar ist, zu entwerfen und zu bauen. Die Objekte zeigen, wenn erst die Idee da ist, dann ist nichts mehr unmöglich. Tatkräftige Unterstützung erhielten die Designer von den Fachwerkstätten, um auch handwerklich ihre Aufgabe meistern zu können. Sebastian Aumer erfand für die Sitzfläche seiner Hocker gleich noch ein neues Material aus 70 Prozent Eierschalen, die er aus einer Biobäckerei erhielt. Eine kipplige Angelegenheit ist Agnes Günthers ergonomischer Stuhl. Kippeln ist erlaubt, regt den Stoffwechsel an, aber bitte nur vor und zurück, alles andere ist ungesund.
Stolz ist die HBK, dass für ein Jahr der rumänische Künstler Ciprian Muresan Gastprofessor ist. Die Ausstellung mit den Arbeiten seiner Klasse bezieht ihre Spannung nicht zuletzt aus ihrer Unterschiedlichkeit: Aus Gips geformte Beckenknochen in einem geheimnisvollen Kreistanz, daneben eine Collage aus weichem Plüsch, dazwischen ein Schreibtisch wie aus einem alten Studierzimmer, wo das Jahr 1910 Gegenwart ist.

INFO

HBK-Rundgang: 22. bis 27. Juli
Öffnungszeiten: Mittwoch bis Sonnabend 10 bis 20 Uhr, Sonntag 12 bis 18 Uhr
Führungen: Mittwoch und Donnerstag 15 und 17 Uhr, Freitag und Sonnabend 13, 15 und 17 Uhr, Sonntag 13 und 15 Uhr. 17 Uhr (außer Sonntag) Design-Führung. Treffpunkt ist am Infopoint im Aulafoyer.
Komplettes Programm:
rundgang.hbk-bs.de
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