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„Heute bin ich geerdet“

Cappuccino erzählt von harten Zeilen, Pappen auf Asphalt und dem Grund, nach Hause zu gehen.

Von Marc Wichert, 12.08.2012.


Braunschweig. Am 23. August läuft der fiktive Songcontest „Ö 3.0 – das Ölperium kehrt zurück“ im Staatstheater an – wieder mit dabei ist Cappuccino, Familienvater, Künstler und „Braunschweiger Kind“.

„Braunschweiger Kind“, so nennt er sich selbst, der Rapper Cappuccino, der mit bürgerlichem Namen Karsten Löwe heißt. Tief verwurzelt sei er in der Stadt, nie würde er wegziehen, außer vielleicht auf die Karibikinsel Tobago, wo er mal für einen Videodreh war. „Da habe ich mein Herz verloren“, sagt er. Diese Ruhe, eine völlige Stille, die habe er bislang nur dort erlebt.
Aber vor dem Videodreh war der Schulhof-Rap. „Dort drüben auf dem Schulhof der Hauptschule“, sagt der 38-Jährige und zeigt hinter sich aus dem Fenster seiner hellen Altbauwohnung, „da habe ich angefangen zu rappen.“ Das war Ende der 80er Jahre. 1993 stieß Cappuccino zur Jazzkantine, mit der er mehrere Preise gewann, unter anderem den „Echo“ und den German Jazz Award. Fünf Jahre später legte Cappuccino solo nach, produzierte den Hit „Du fehlst mir“, bekam dafür Gold für 250 000 verkaufte Singles, produzierte Alben und Filmmusik, war Gast in TV-Shows.
Während Löwe erzählt, klettert immer wieder mal sein kleines Töchterchen auf Papas Schoß. „Heute bin ich geerdet. Ich gehe jetzt früher schlafen, stehe früher auf, gehe von den Partys früher nach Hause“, sagt der Familienvater lachend. Überhaupt lacht Löwe viel und gerne. Seine Augen werden von Lachfältchen umrahmt, die Haare sind kurz, über dem schlanken Körper trägt er weißen Pullover und Jeans. Wie ein Rapper sieht er eigentlich nicht aus, einzig die Mützen- und Cappy-Sammlung über dem Schreibtisch zeugt von den Hip-Hop-Wurzeln. Die ihn aber nicht daran hinderten, künstlerisch andere Wege zu gehen, wie seit einigen Jahren die regionalen Projekte mit der Jazzkantine und dem Staatstheater zeigen.
Da waren die „Tanzzkantine“, eine Art Musical, dann ging es weiter mit „Braunschweich, Braunschweich“, schließlich die erfolgreichen Ölper-Songcontests. Die Hip-Hop-Szene, die er mal mitgeprägt hatte, ist schon länger nicht mehr sein Mittelpunkt. „Der Rap wurde immer härter“, erklärt Löwe. Zeilen wie „Ich schlag‘ Dir in die Fresse“ seien auf einmal üblich gewesen. Auch von der Musikindustrie hat Karsten Löwe sich distanziert. Die Leute kaufen seine Musik jetzt im Internet. Da komme nicht viel bei rum, aber nebenbei hilft er einem Freund in seiner Internetfirma und bietet Workshops an, in denen er jungen Leuten seine Kunst näherbringt. Die Plattenfirmen hätten ihm zu stark hineingeredet. „Aber ich habe einen Anspruch an mich selbst“, sagte er und meint eine passende Songzeile oder einen guten Beat als erste Idee für einen Song. „Vielleicht“, sagt der Vater noch, „demnächst auch für Kinderlieder.“ Jetzt freut sich das Braunschweiger Kind erst einmal auf den „Ö 3.0“-Songcontest, bei dem er in drei verschiedene Rollen schlüpfen wird.

Service

Der fiktive Songcontest „Ö 3.0 – das Ölperium kehrt zurück“ spielt im Jahr 2055. Braunschweiger Künstler präsentieren Songs für ihren Stadtteil. Das Publikum entscheidet jeden Abend neu über „Ein neues Lied für Braunschweig.“ Vom 23. August bis zum 9. September täglich außer montags im Kleinen Haus. Restkarten unter Telefon 1 23 45 67.
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