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Heimweh nach Vanille und Jazz

Stellten die Kulturschränke vor (v.l.): Katharina Kulizycka und Grzegorz Zgraja (Polen), Asitt Feuerhahn und Etty Neumann (Indonesien), Jae-Bog Meyerholz (Südkorea)

Haus der Kulturen zeigt den Alltag in Indonesien und Polen – verpackt in einem Schrank.

Von Birgit Wiefel, 06.01.2018.

Braunschweig. 16 Länder verstaut in drei Schubladen: Mit dem Projekt „Kulturschrank“ öffnet das Haus der Kulturen einen ganz neuen Blick auf fremde Länder. Auf eng begrenztem Raum stellen Braunschweiger mit ausländischen Wurzeln ihre Heimat vor. Nach dem Iran, Mexiko, Italien und Südkorea sind im alten Nordbahnhof ab sofort Kulturschränke aus Indonesien und Polen zu sehen. Ein Duft- und Klangerlebnis – aber vor allem ein ganz persönlicher Blick auf die eigene Heimat.

„Am Anfang stand immer die Frage: Was verbinde ich mit meinem Land? Welche Farben, Klänge und Gerüche machen es aus?“, erklärt Projektleiterin Cristina Antonelli-Ngameni die sehr sinnliche Idee hinter dem Kulturschrank, den der freischaffenden Künstler Ivano Polastri entwickelt hat.

Wer die oberste Schublade von „Indonesien“ aufzieht, weiß, was sie meint: Rund 15 Gewürze sorgen für eine exotische Duftexplosion. Asitt Feuerhahn und Etty Neumann haben sie gesammelt, darunter Nelken, Tamarinde, Anis, Vanilleschoten und den sehr teuren, da sehr speziellen „Animal Coffee“.

„Am schwierigsten war es, eine Auswahl zu treffen. Kurz: Wie schaffen wir es, ein Land mit 17 000 Inseln und rund 250 Sprachen in drei Schubladen und einem Videofilm unterzubringen?“, erinnert sich Neumann und lacht.
Die Sammlung fiel am Ende sehr subjektiv aus, stellt nicht die touristischen Highlights, sondern viele kleine Dinge aus dem Alltag vor – etwa einen kleinen Holzmörser, den Asitt Feuerhahn beisteuerte und der ihr ganz besonders am Herzen liegt. „Wenn ich ihn sehe, bekomme ich Heimweh, denn so ein Mörser gehört zu jedem indonesische Haushalt“, erzählt sie bewegt.

Ganz anders der Ansatz der „polnischen“ Braunschweiger. „Was ist typisch polnisch? Wie hat sich Polen verändert?“, fragten sie sich und lieferten ein interessantes Bild von einem Land im Wandel. „Der Wechsel vom Kommunismus zur Marktwirtschaft war ein Bruch“, weiß Grzegorz Zgraja, der einen Film über seine Heimat Schlesien und das Zechensterben nach der Öffnung des Ostblocks beisteuerte. Katharina Kulizycka steht dagegen für eine neue, junge Generation, die sich von alten Traditionen löst. „Das fängt schon mit dem Essen an“, sagt sie. Als Vegetarierin hat sie mit der bodenständigen, fleischlastigen Küche nichts am Hut, „ungewöhnlich für einen Polen“, macht Kulizycka klar. Im polnischen Kulturschrank gibt es also nichts für Gaumen und Nase, stattdessen etwas auf die Ohren: Polnischer Jazz. Heimat hat viele Gesichter ...

Die Kulturschränke können noch bis Ende Januar Dienstag bis Freitag zwischen 9 und 17 Uhr im Haus der Kulturen, Nordbahnhof 1, besichtigt werden.

Begleitprogramm: 11. Januar, 17 Uhr, Tanz-Workshop (Bali), Haus der Kulturen, Anmeldung bis zum 10. Januar bei Made Langer via mujiasih@hotmail.de.

12. Januar, 17 Uhr, Indonesischer Kochkurs, Haus der Kulturen, Anmeldung bis zum 10. Januar bei mujiasih@hotmail.de.
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