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Harter Stoff

Kinofilm dreht sich um Eintracht Braunschweig

Von Marion Korth

Braunschweig. Fußball, Fans und Eintracht Braunschweig, das ist der Stoff, aus dem Musicals („Unser Eintracht“) oder Kinofilme entstehen können. „66/67 – Fairplay war gestern“ ist allerdings alles andere als ein Friede-Freude-Fan-Film. Gestern gab es die Vorabschau im Universum.

„66/67 – Fairplay war gestern“ wird das 23. Internationale Filmfest in Braunschweig am 10. November – noch vor dem offiziellen Kinostart – eröffnen. Carsten Ludwig schrieb das Drehbuch und ist einer der beiden Regisseure – und fast noch wichtiger: Er ist in Braunschweig geboren und selbst Eintracht-Braunschweig-Fan. Aber Hooligan war er nie, beteuert er. Denn darum und um Gewalt geht es in dem Film. „66/67“ – nicht irgendeine Zahlenkombination, sondern die Saison, in der Eintracht Braunschweig Deutscher Fußballmeister geworden ist. Als Erkennungszeichen haben die Mitglieder der Clique es sich in die Haut gebrannt. Das zeigt, wie tief die Liebe zum Verein geht. Und wie groß der Hass auf Fans anderer Vereine wie Hannover 96 ist. Da versteht die Clique um Anführer Florian (Fabian Hinrichs) keinen Spaß. Die Eintracht geht über alles. Auch und gerade in der Zeit der Krise. Der Film führt zurück an den Rand des sportlichen Absturzes in die vierte Liga, aber das ist nur die vordergründige Ebene des Films. Auch die sechs Freunde Florian, Otto (Christoph Bach), Henning (Maxim Mehmet), Christian (Christian Ahlers), Tamer (Fahri Ogün Yardim)und Mischa (Aurel Manthei) stehen vor dem Absturz – auch wenn sie das noch gar nicht wissen.
Sie sind ganz normale junge Männer, um die 30, intelligent und doch hoffnungslos verblendet. Sie beschwören ihre Freundschaft und tun doch alles, diese zu verspielen.
Sich mit anderen zu prügeln, ist fast ein Hobby. Aus nichtigem Anlass wird da im „Pils-Stübchen“ schon mal zugeschlagen, fliegen die Plastikstühle. Aber je mehr das Leben der sechs aus ganz unterschiedlichen Gründen aus dem Gleichgewicht gerät, desto schneller dreht sich die Spirale der Gewalt. Florian übertritt schließlich die Grenze, die den Menschen vom Monster trennt. Diese Bilder tun weh, allein beim Zuschauen. Aber mindestens ebenso verstörend wirkt, was eigentlich nur angedeutet wird.
Der Film ist ein Drama, und alles andere als ein „Familienfilm aus dem Ruhrpott“, wie es eine Zeitung in Zürich, wo die deutsche Produktion schon vor dem Kinostart am 19. November bei einem Filmfest gezeigt worden ist, geschrieben haben soll.
„66/67“ zeigt großes Kino, wegen der packenden Geschichte (die nur an zwei Stellen etwas dick aufträgt), wegen der durchweg starken Leistung der Schauspieler, wegen seiner Kompromisslosigkeit. Es geht um Gewalt, aber nicht um deren Verherrlichung. Die Hauptfiguren sind Anti-Helden, die man vor sich selbst retten möchte. Am Ende zerstören sie sich selbst und alles, was sie lieben.
Trotz Burgplatz und viel Blau-Gelb: Die Story ist übertragbar auf jede Stadt, in der es Fans und einen Fußballverein gibt, aber es ist spannend, „seine“ Stadt einmal im Kino zu sehen. Allen echten Eintracht-Fans wird dieser Film viel Diskussionsstoff liefern.
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