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Hart an der Grenze zur Demut

Autor Christian Kracht erhält Wilhelm-Raabe-Literaturpreis 2012 für seinen Roman „Imperium“.

Von André Pause, 07.11.2012.

Braunschweig. Es gebe eigentlich nichts Neues, so der frischgekürte Wilhelm-Raabe-Literaturpreisträger Christian Kracht in seiner sehr persönlich gehaltenen Dankesrede im Kleinen Haus des Staatstheaters.

Er selbst habe keine Ahnung, was er schreibe, versehe den aus bereits Vorhandenem gebackenen Kuchen allenfalls mit einer neuen Glasur, skizzierte der für seinen Anfang dieses Jahres erschienenen Roman „Imperium“ ausgezeichnete Autor mit sanft-sonorer Stimme. Understatement an der Grenze zur Demut ist selten beim gemeinsam von der Stadt Braunschweig und dem Deutschlandfunk gestifteten Preis. Und so vermochte sich auch Oberbürgermeister Dr. Gert Hoffmann, der das sukzessive gestiegene Renommee der Veranstaltung hervorhob, nicht an einen ähnlich bescheiden auftretenden Preisträger erinnern.
Dieser hatte für seinen insgesamt vierten Roman überwiegend positive Kritiken eingeheimst. Das Werk Krachts balanciere mit großer Sicherheit auf der Grenze zwischen Komik und Schrecken und bilde so einen bedeutenden Knoten im Gewebe der deutschsprachigen Gegenwartsliteratur. „Imperium“ komme heiter parlierend daher, im Ton des leicht überdrehten realistischen Stils des späten 19. Jahrhunderts, das bekanntlich auch die Ära Wilhelm Raabes gewesen sei. Der Roman gehöre zu jenen leichten schönen Dingen, die so schwer zu machen seien – begründete sodann die Jury ihre Wahl.
Die Laudatio hielt mit Clemens J. Setz ein ebenfalls nominierter Schriftstellerkollege. Er würdigte Krachts Kombination aus Satzmelodie und Bild in seiner durchaus launigen, teilweise allerdings am Rande der Nachvollziehbarkeit befindlichen Rede als hoffnungsfrohe, zutiefst menschliche Kunst. Während Deutschlandradio-Programmdirektor Andreas-Peter Weber ausgehend von der Frage „Wie knipst ein Autor das Licht an?“ über die Lichtinszenierung auf der Bühne und einen Geldautomaten in Bayreuth zum Wortspiel „Schein(e)werfer“ gelangte. Das muss man auch erst mal schaffen. 30 000 Euro übergaben Stadt und Radio. Bleibt zu hoffen, dass der bescheidene Autor sie überhaupt mitgenommen hat.
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