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Großes Geld oder Liebe

Uraufführungsprojekt „Goldherz“ in der Hausbar des Staatstheaters.

Von André Pause, 25.09.2011

Braunschweig. „Mühsam nährt sich das Eichhörnchen“, sagt der Volksmund, um damit zu verdeutlichen, dass viele Dinge im Leben nicht von jetzt auf gleich zu bewerkstelligen sind.

Im Uraufführungsprojekt „Goldherz“ in der Hausbar des Staatstheaters stehen die Nüssesammler für bemitleidenswerte Wesen am Rande der Gesellschaft, für Loosertum. Das Stück erzählt das kritische Märchen vom Kapitalismus nach Motiven der „Geschichte vom goldenen Taler“ von Hans Fallada und „Das kalte Herz“ von Wilhelm Hauff nun in einer zeitgemäßen, durch Musik und Videoprojektion getragenen Version:
Kohlenbrenner Peter Munk träumt vom Reichtum. Sein schlechter Stand in der Gesellschaft stört den Schwarzwälder. In der Inszenierung von Mareike Mikat werden Munks Entwicklungsbemühungen verknüpft mit Aspekten des derzeitigen Elends an Optionen. Vielfach bleiben, um es im Leben zu etwas zu bringen, anscheinend nur der Minijob oder das Casting bei DSDS.
In der Vorlage Wilhelm Hauffs tauscht Peter sein goldenes Herz gegen einen Stein und wird reich. In der Hausbar wird der Emporkömmling zudem zu einer der dekadenten Figuren, die es sich nicht nehmen lassen, sich und ihren „Reichtum“ quasi wöchentlich von einem Kamerateam abfilmen zu lassen. Auch wenn das Geld nun aus dem Pappmaché-Bankomaten sprudelt, die Penunzen von selbst arbeiten: Begeisterung und Freude oder gar Empathie empfindet Peter bald nicht mehr.
Es ist nicht das erste Mal, dass phänomenale Irrtümer wie Minijob und Castingwahn in der Kritik stehen: Die Art und Weise wie Regisseurin Mikat und Autorin Nora Mansmann in „Goldherz“ das Absurde und Paradoxe der Umstände aufzeigen, ist allerdings intelligent und unterhaltsam zugleich („Ich bin der Uwe aus Bottrop und habe einen Minijob als Swarovskisteinleger.“). Die Musiktitel „Heart of Gold“ von Neil Young, „Neue Idee“ von Peter Licht, „Working Class Hero“ von John Lennon, „Elephant Gun“ von Beirut sowie „Das absolute Glück“ von Peter Licht ergeben einen stringenten roten Faden. Schauspieler David Kosel krönt das Stück mit einer glaubhaften Darstellung des unbedarften und naiven Charakters Peter Munk.
In Sachen Dringlichkeit gehört dieses Stück eigentlich auf eine größere Bühne, auf Markt- oder an Börsenplätze – zum Wohle der Eichhörnchen.
Weitere „Goldherz“-Vorstellungen laufen am 27. September, 17. und 26. Oktober um jeweils 20 Uhr sowie am 3. Oktober um 21.30 Uhr.
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