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Großer Humor im kleinen Elend: „Fleckenteufel“ Heinz Strunk

Der Hamburger Autor stellte sein Buch zum Abschluss des Literaturfestivals „Seitenweise“ vor

Von Sebastian Walther

Braunschweig. Zum Schluss noch einmal starker Tobak. Einen Tag vor seinem Abschluss präsentierte das Literaturfestival „Seitenweise“ seinen Gästen Heinz Strunk und dessen „Fleckenteufel“ – ein unterhaltsames Gespann mit überraschendem Fazit. Das vielleicht umstrittenste Buch des Jahres.

Eigentlich ist die Geschichte dahinter recht schnell erzählt. Schon allein das babyblaue Cover erinnert frappierend an „Feuchtgebiete“ von Charlotte Roche. „Natürlich haben wir das absichtlich so gemacht, als reinen Marketing-Gag.“ Autor Heinz Strunk hat keine Scheu die formelle und auch inhaltliche Anlehnung beim Namen zu nennen. Der Hanseat rückt seine übergroße Sonnenbrille zurecht, zieht an seiner Lederjacke und greift zum Rotwein.
Ganz so einfach ist es dann aber doch nicht, denn schließlich geht es – im Gegensatz zum Buch der ehemaligen TV-Moderatorin, die im vergangenen Jahr in Braunschweig zu Gast war – im „Fleckenteufel“ nicht ausschließlich um Unappetitliches. Und Heinz Strunk ist von der MTV-Generation so weit entfernt wie Frau Roche vom Pulitzer-Preis.
Jahrelang tingelte er als Mitglied einer Hochzeitscombo durch die norddeutschen Lande und schrieb vor einigen Jahren mit „Fleisch ist mein Gemüse“ einen bemerkenswerten Roman über den großen Humor im kleinen Elend, den Witz des Scheiterns. Strunk: „Mir war langweilig, und ich hatte kein Geld mehr“ – so kann man es auch ausdrücken, und das tut er auch unumwunden.
Dem Kassenschlager folgte mit „Die Zunge Europas“ ein kommerziell eher bescheidener zweiter Gang, und so sprang der Hanseat mit „Fleckenteufel“ noch schnell auf den Ekelzug auf. Der versprach Aufmerksamkeit und gute Verkaufszahlen.
Zusammengehalten wird die doch recht kurzweilige Geschichte um literarisch vernachlässigte Regionen, Ausdünstungen und Körpersäfte von Thorsten Bruhn und dessen christlicher Ferienfreizeit. Der 16-Jährige durchlebt all das, was Heranwachsende eben so durchmachen müssen, drastisch, aber trotzdem witzig, geschildert von Strunk, der keinen Hehl daraus macht, in dem unsicheren, leicht verschrobenen Kerl zu großen Teilen selbst zu stecken: „Ich schildere das ja vor allem aus der Ich-Perspektive, und einen Großteil seiner Gedanken meine ich mir auch gemacht zu haben. So weit man das 30 Jahre später rückblickend noch wissen kann.“
Gefragt nach seiner eigenen Pubertät, kommen für den Autor und Humoristen Erinnerungen an die Krankheit seiner Mutter, Akne und geringe Körpergröße zurück. Und auch mit den Mädchen – ganz wie bei Protagonist Thorsten – wollte es so gar nicht klappen. „Ich habe Querflöte gespielt, das macht natürlich keinen besonderen Eindruck, und als Fußballer hat es auch nicht gereicht.“
Im Roman, den er am Montag bei seiner Lesung im Spiegelzelt an der Martinikirche dem Braunschweiger Publikum vorstellte, erwartet den Helden, zumindest in dieser Hinsicht, keine wirkliche Erlösung. Im wahren Leben, das kann sich Heinz Strunk dann doch nicht verkneifen, gibt es durchaus eine Lösung: „Coolness ist schon erlernbar, das sieht man an meinem Beispiel, aber viel wichtiger ist da der offene Umgang mit den richtigen Leuten. Ich bin bis heute ein sehr lernfähiges System, immer bereit Haltungen oder Überzeugungen, die sich als unrichtig erweisen, zu revidieren und stelle mich auch selbst mal in Frage. Die meisten machen, was das angeht, mit 20 Jahren doch dicht. Ich würde sagen, dass ich die entscheidenden Sprünge sogar erst in den letzten anderthalb Jahren gemacht habe.“
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