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Große Oper, aber nur mit Klavier

Streik am Staatstheater: Oper wird ohne Orchester aufgeführt – verhärtete Positionen

Von Ingeborg Obi-Preuß

Braunschweig. Große Oper – nur mit Klavierbegleitung. Das Staatsorchester hat ernst gemacht und eine Aufführung von „Manon Lescaut“ bestreikt. Die Zuschauer reagierten unterschiedlich, die Theaterleitung ist sauer.

Die ersten Orchesterstreiks seit Jahrzehnten. Es geht um einen Tarifvertrag, der Streit schwelt schon lange. „Die Musikergehälter waren an die Entwicklung im öffentlichen Dienst gekoppelt“, sagt Rolf Bolwin, Geschäftsführender Direktor des Deutschen Bühnenvereins, als Vertreter der Arbeitnehmerseite. Mit der bundesweiten Veränderung der Tariflandschaften sei Reformbedarf entstanden. In diesen Verhandlungen haben sich der Bühnenverein und die Deutsche Orchestervereinigung festgefahren.
Grundsätzlich seien die Arbeitgeber bereit, die Gehälter der Musiker weiter an den öffentlichen Dienst gekoppelt zu lassen – aber es soll Ausnahmen geben für Theater, die ganz oder teilweise aus den Tarifverträgen ausgestiegen sind (wir berichteten).
Das sind bundesweit bislang nur drei oder vier Häuser, aber die Gewerkschaft sieht hier Gefahr. „In der Vergangenheit haben die Arbeitgeber die vertraglichen Schlupflöcher noch immer ausgenutzt“, sagt Karin Allgeier vom Orchestervorstand. Ihr ist es wichtig zu betonen, dass ihre Musikerkollegen keine Hitzköpfe sind, die unüberlegt irgendeinem Streikaufruf folgen.
„Streik ist für uns alle völlig neu“, erklärt sie, „wir machen das nicht gern. Eigentlich wollen wir nur in Ruhe spielen, aber wir fühlen uns auch der Solidarität verpflichtet.“
Irritiert zeigt sie sich von der Reaktion der Theaterleitung. „Wir hatten da auf mehr Verständnis gehofft“, sagt Allgeier, „weil wir ja auch für die Bewahrung der Orchester- und Theaterstrukturen kämpfen.“
Damit kann sie nicht rechnen. „Wir sind richtig sauer“, sagt Verwaltungsdirektor Thomas Fehrle, „wir haben uns immer vor unser Orchester gestellt, dieser Streik aber traf uns ohne Vorwarnung und unvermittelt. Wir sind sehr enttäuscht.“ Grundsätzlich habe er kein Problem mit Arbeitskämpfen, aber die Art und Weise sei unverhältnismäßig. „Das hat einfach keinen Charme“, ärgert er sich. Er habe „intelligentere Aktionen“ erwartet, eine Vorstellung zu bestreiken sei unmöglich, zu simpel und für ein Staatstheater unpassend. „Wir sind doch hier nicht bei der IG-Metall“, wettert der Direktor.
Die Verhandlungen jedenfalls sind abgebrochen, für Januar ist ein Generalstreik möglich.
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