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Große Kraft und jede Menge positive Energie

Das Filmfest präsentierte „The Artist“: Das Staatsorchester spielte in der Stadthalle den Soundtrack – ausgezeichneter Komponist zu Gast.

Von Ingeborg Obi-Preuß, 11.11.2012.

Braunschweig. Und Action: Der Film ist aus, der Abspann läuft – aber es gibt kein Ende. Das Staatsorchester erzählt die Geschichte einfach weiter. Die Musik trägt die Hoffnung und Zuversicht aus dem Happy End von „The Artist“ direkt ins Publikum.

Ein Filmkonzert der Sonderklasse lieferten die Musiker des Staatsorchesters am Freitagabend ab. Große Kraft und jede Menge positive Energie lud die Menschen in der nahezu ausverkauften Stadthalle nachhaltig auf, zum Schluss gab es – für Braunschweiger Verhältnisse – enthusiastische Beifallsstürme.
„The Artist“, die französische Tragikkomödie aus dem Jahr 2011, räumte mehr als 30 internationale Filmpreise ab, darunter fünf Oscars: bester Film, Regie Michel Hazanavicius, bester Hauptdarsteller, Jean Dujardin, beste Filmmusik, Komponist Ludovic Bource, und bestes Kostümdesign, Mark Bridges; daneben drei Golden Globe Awards, sieben Bafta Awards und sechs Césars.
Komponist Ludovic Bource war in Braunschweig dabei, als Dirigent Ernst van Thiel die Filmmusik mit dem Staatsorchester probte. Orchesterdirektor Martin Weller hatte gleich nach dem Filmstart 2011 den Wunsch, den Film mit Livemusik in Braunschweig zu präsentieren. Die Kontakte waren schnell geknüpft, die Präsentation in der Stadthalle jetzt war eine Deutschlandpremiere. „Es wundert mich, dass keiner vor uns auf die Idee kam“, erzählt Weller, „aber umso schöner für uns.“
Passend auch die Einbindung in das Braunschweiger Filmfest, das in diesem Jahr dem Thema Filmmusik einen Schwerpunkt setzt. „Heute Abend wird ein Traum wahr“, begrüßte dann auch Festivalleiter Volker Kufahl die Besucher in der Stadthalle, bedankte sich bei Intendant Joachim Klement und Martin Weller für die Unterstützung und erzählte kurz von der Pressekonferenz am Nachmittag, bei dem der Komponist Ludovic Bource den Journalisten bereitwillig von seiner Arbeit erzählte. „Ludovic Bource gab uns heute Nachmittag schon mal Gelegenheit, seinen Oscar anzufassen“, sagte Kufahl. Und erntete prompt einige Lacher aufgrund der möglichen Doppeldeutigkeit seiner Worte.
Tatsächlich hatte der Franzose am Nachmittag die Oscarstatue ganz lässig auf den Tisch im Konferenzsaal in der Stadthalle gestellt. Um dann ausführlich zu erzählen, wie er an die Auszeichnung gekommen ist: durch harte Arbeit. Sechs musikalische Themen hatte Bource zu Anfang der Dreharbeiten von „The Artist“ fertig. Maßgeblich inspiriert von der sapphischen Ode von Johannes Brahms, besonders von dem melancholischen Text von Hans Schmidt (1856-1923). „Meine Musik haben wir zu Beginn der Dreharbeiten den Schauspielern vorgespielt“, erzählte Bource. Und mit der Kraft der gespielten Szenen hat der Komponist seine Musik anschließend am Film entlang immer weiter entwickelt. Bis zu diesem sensationellen Ergebnis, dass jetzt auch in der Stadthalle zu hören war.
Von der Filmmusik aber hat Ludovic Bource erst mal genug. „Zu viele, die mitreden“, sagt er. Zwischen ihm und dem „The Artist“-Regisseur Michel Hazanavicius jedenfalls herrschte zum Ende der Dreharbeiten Funkstille.
Ludovic Bource will jetzt ganz für sich eine Symphonie komponieren. Und hoffentlich ist die dann auch einmal in Braunschweig zu hören. Gespielt vom Staatsorchester.
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