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„Groß, aufwendig, ungewöhnlich“

Postkoloniales Musiktheater frei nach Verdi: Brett Bailey inszeniert zum Auftalkt des Theaterformen Festivals „Macbeth“ im Großen Haus des Staatstheaters. Foto: oh

Das Festival Theaterformen bringt Bühnenkunst aus fünf Kontinenten nach Braunschweig.

Von André Pause, 14.05.2014.

Braunschweig. 18 Produktionen aus 14 Ländern, davon drei Uraufführungen und sieben deutsche Erstaufführungen gibt es beim diesjährigen Festival Theaterformen vom 11. bis
22. Juni in Braunschweig zu sehen.

Die 15. Auflage der jährlich im Wechsel zwischen Braunschweig und Hannover stattfindenden Veranstaltung, das letzte Festival für Leiterin Anja Dirks, präsentiert ein breites Spektrum an theatralischen Möglichkeiten und internationaler Bühnenkunst. Bühnenkunst darf hierbei ruhig wörtlich genommen werden, denn „angesichts der Vielzahl von ortsspezifischen Projekten, die die Festivalprogramme der vergangenen Jahre geprägt haben, ist die Wiedereroberung der Bühnenräume geradezu radikal“, meint Dirks.
Die Spielorte sind sämtliche Bühnen des Staatstheaters, das LOT-Theater sowie das Braunschweigische Landesmuseum, Kloster St. Aegidien. Zum Auftakt verlagert der südafrikanische Regisseur Brett Bailey im Großen Haus Verdis Oper „Macbeth“ in deutscher Erstaufführung ins andauernde Kriegsgeschehen im Ostkongo. Shakespeares Tyrann: in diesem Fall ein Warlord und Milizenführer. „Groß, aufwendig, ungewöhnlich“, verspricht die Festivalleiterin.
Gleich zwei Uraufführungen widmen sich dem Beginn des ersten Weltkrieges. Aus afrika-spezifischer Perspektive entwirft Faustin Linyekula mit „Statue of Loss“ ein szenisches Denkmal für die in den damaligen Kolonien rekrutierten und in Europa als Kanonenfutter missbrauchten Soldaten.

Einen Schwerpunkt bildet emotionale Schauspielkunst aus dem Baltikum. Während das Ensemble NO99 aus Estland in „Jeder echte Herzschlag“ Bezug nimmt auf die Gefühlswelt des Dichters Juhan Liiv, erzählt der lettische Regisseur Vladislavs Nastavševs in „Dunkle Alleen“ von der Liebe.
Persönliches wie politische Festivalbeiträge aus Geschichte und Zeitgeschichte kommen aus Chile und Ungarn. Ein Lehrstück über Recht und Gerechtigkeit inszenieren der Schweizer Yan Duyvendak und der Spanier Roger Bernat im Kleinen Haus. In „Please, Continue (Hamlet)“ lassen sie einen Mordfall im Rahmen einer Hochzeitsfeier, der dem Klassiker der Weltliteratur ähnelt, von Braunschweiger Richtern und Anwälten an drei Abenden jeweils neu verhandeln. Im Anschluss kann das Publikum im Festivalzentrum am Gartenhaus Haeckel ausgiebig über das Stück diskutieren.

Hier gibt es in diesem Jahr übrigens nicht nur ein hochkarätiges popmusikalisches Konzertprogramm bei freiem Eintritt (Die höchste Eisenbahn, Erdmöbel, Automat, Jacques Palminger, Howe Gelb, Erobique) sondern auch die wichtigsten Spiele der Fußball-Weltmeisterschaft auf der Leinwand.
Alle Informationen unter www.theaterformen.de.
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