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„Gegenwartskunst ist keine Insel“

Vermittlungsteam des Kunstvereins führt Schüler- und Jugendgruppen individuell an laufende Ausstellungen heran

Von Roland Wolff

Braunschweig. Mit der zeitgenössischen Kunst tun sich viele Zeitgenossen schwer. Schüler- und Jugendgruppen bietet der Kunstverein Braunschweig einen lebendigen, abwechslungsreichen Zugang.

Das Vermittlungsteam besteht derzeit aus vier Mitarbeitern: die kuratorischen Assistentinnen Katrin Meder (30) und Sarah Frost (28) sowie HBK-Studentin Yvonne Reiners (26) und Künstler Marcus Gründel (35). Wie an dieser Kombination schon ablesbar, setzt das Team bei seiner Vermittlungstätigkeit auf eine ausgewogene Mischung aus Praxis und Theorie. Ziel ist kein einseitiger Monolog, sondern ein lebendiger Dialog mit und unter den Jugendlichen.
„Dass wir ein relativ junges Team sind, ist für unsere Aufgabe sicherlich von Vorteil“, freut sich Sarah Frost. „So ergibt sich leichter eine entspannte Gesprächssituation.“
Die angebotenen Führungen sind keine Konfektionsware, sondern werden unter Berücksichtigung des ausstellenden Künstlers, des gewählten Kunstmediums und der jeweiligen Gruppe vom Team maßgeschneidert. Nicht selten sind auch die Künstler selbst in die Aktivitäten eingebunden – so etwa Armin Boehm, dessen Ausstellung „Der böse Blick“ aktuell noch bis zum 30. August in den Räumen des Kunstvereins zu sehen ist.
Neben dem rein Künstlerischen erfahren die Jugendlichen und Schüler bei ihrem Besuch auch etwas über die praktischen Belange der Ausstellungstätigkeit. Zudem schließen Führungen zuweilen ein, dass Schüler sich in einem Kurzreferat untereinander ihre Ausstellungsfavoriten vorstellen – eine gute Gelegenheit, das freie Reden zu trainieren und somit wichtige Erfahrungen für die weitere Schul- und Berufslaufbahn zu sammeln.
„Ein wesentliches Ziel unserer Arbeit ist es zu vermitteln, dass zeitgenössische Kunst keine Insel ist, sondern dass sie unmittelbar mit unserem täglichen Leben zu tun hat“, betont Katrin Meder. Vorurteile gegenüber ‚langweiligen‘ Museen und ‚verstaubten‘ Gemälden gilt es abzubauen. Im Vordergrund steht daher zunächst, dass die Jugendlichen den Spaß an der Sache Kunst entdecken.
Das Durchblättern von Katalogen oder das Ansurfen von Gallerieseiten im Internet reicht hierfür nicht aus: „Die Atmosphäre eines Bildes überträgt sich weder in guten Drucken noch in Bildschirmdarstellungen. Bei Kunst ist der direkte Zugang sehr wichtig. Zudem fördert das bewusste Aufsuchen der Werke eine intensive Auseinandersetzung.“ Aus diesem Grund bietet das Team auch keine ‚Hausbesuche‘ in Schulen an.
In der musealen Landschaft nimmt der Kunstverein Braunschweig eine Sonderstellung ein: „Das Besondere an den hiesigen Ausstellungen ist, dass die Künstler alle noch leben und produzieren“, stellt Yvonne Reiners fest. Akademische Forschungsarbeiten liegen zu den Werken in der Regel nicht vor. Das birgt einerseits den Vorteil, das der Umgang mit den ausgestellten Werken nicht vordefiniert ist, andererseits ergeben sich Schwierigkeiten bei der Eingliederung eines Ausstellungsbesuchs in das Schulcurriculum: „Wir versuchen durch unser Vermittlungsprogramm, den Schülern eine Brücke zu bauen zwischen Curricula und zeitgenössischer Kunst“, erklärt Marcus Gründel. Ganz in diesem Sinne versteht sich das Vermittlungsteam als Ergänzungsangebot zum Schulfach Kunst.
Das Programm des Kunstvereins wird bereits sehr gut angenommen, wobei Frost, Meder, Reiners und Gründel auch fortlaufend eigeninitiativ an Schulen herantreten.
Das Angebot richtet sich an Schulklassen der Sekundarstufen I und II sowie an freie Kinder- und Jugendgruppen im Alter zwischen 10 und 20 Jahren. Da die ausstellenden Künstler sich oft mit aktuellen Zeitfragen beschäftigen, beschränkt es sich keineswegs auf Kunstklassen.
Interessierte Lehrer oder Jugendgruppenleiter können sich unter der Telefonnummer 4 95 56 jederzeit an das Vermittlungsteam wenden, das sich schon jetzt auf eine Zusammenarbeit freut.
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