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Gegenbewegung zum Selbstoptimierungswahn

Katrin Bauerfeind liest im Kleinen Haus. Foto: Tibor Bozi/oh

Katrin Bauerfeind hat mit „Mir fehlt ein Tag zwischen Sonntag und Montag“ ein Buch über schönes Scheitern geschrieben – Lesung am 17. Januar.

Von André Pause, 10. Januar 2015.

Durch die Internet-TV-Sendung „Ehrensenf“ wurde die schlagfertige Journalistin und Moderatorin Katrin Bauerfeind einem breiten Publikum bekannt. Im vergangenen Jahr hat sie mit „Mir fehlt ein Tag zwischen Sonntag und Montag“ ein Buch über schönes Scheitern geschrieben. Vor Ihrer Lesung am 17. Januar im Kleinen Haus hat sie André Pause via E-Mail ein paar Fragen beantwortet.

?Frau Bauerfeind, wir stören Sie vor Ihrer Lesereise im Urlaub. Entschuldigung. Wohin hat es Sie verschlagen?

!In die Sonne!

?„Mir fehlt ein Tag zwischen Sonntag und Montag – Geschichten vom schönen Scheitern“ heißt Ihr Buch. Wie kommt eine Frau, der augenscheinlich alles (zumindest viel) gelingt, dazu, ein Buch über das Scheitern zu schreiben? Ist doch eigentlich ziemlich abwegig ...

!Überhaupt nicht, Borussia Dortmund hat doch grade erst gezeigt, dass Erfolg und Scheitern eng beieinander liegen können. Erfolg ist meist eine Aneinanderreihung von Fehlern und Scheitern, aber das wird oft vergessen. Thomas Alva Edison hat 9000 Glühdrähte gebraucht, bis es Licht wurde, Julia Roberts soll bei mehr als 200 Castings vorgesprochen haben, bis sie in ihrem ersten mittelmäßigen Film mitspielen durfte. Jeder von uns scheitert dauernd an irgendwas, es gehört dazu, aber wir leben in Zeiten der Erfolgsratgeber, man ist Verlierer oder Gewinner. Ich finde, das kann man so nicht stehenlassen. Deswegen das Buch.

?Was macht den Unterschied aus zwischen Scheitern und schönem Scheitern? Und überhaupt: Macht das den „Brei fett“?

!Scheitern an sich ist natürlich scheiße, es kommt drauf an, was man draus macht. Mein Motto ist da: heiter weiter. Lieber drüber lachen, als dran zu verzweifeln. Man muss nur ein bisschen Zeit vergehen lassen, dann ist der Rucksackurlaub, in dem alles schief ging, die bessere Anekdote, als die All-inclusive-zwei-Wochen, in denen nichts passiert ist. Deswegen erzähle ich meine Geschichten vom schönen Scheitern, dann kann jeder sozusagen schon mal Probe lachen für die eigenen Niederlagen.

?Nun ist das Scheitern ja gesamtgesellschaftlich eher schlecht beleumundet. Haben Sie eine Idee, wie sich das Image nachhaltig begradigen ließe?

!Wir haben schon so lange Selbstoptimierungswahn, jetzt wird es mal wieder Zeit für die Gegenbewegung. Wie die Coen-Brüder sagen: Die richtig interessanten Typen sind nicht die Gewinner. In Amerika zum Beispiel kannst du vier Unternehmen an die Wand fahren, aber wenn du eine geile Idee hast, heißt es: Top, ein Typ mit so viel Berufserfahrung, der soll das mal machen! Das ist die richtige Einstellung. Da wir ja auch sonst alles von den Amis übernehmen, ist es nur noch eine Frage der Zeit, schätze ich ...

?Sie selbst haben damals aus dem Journalismus-Studium heraus mit der Moderation begonnen und nach dem Erfolg des Internetformates „Ehrensenf“ so ziemlich alles moderiert, was im deutschen TV „jung und frisch“ wirken sollte. Sind Fernsehkarrieren in Deutschland ab einem bestimmten Punkt ein Selbstläufer? Wie sehen Sie das?

!Nein, gar nicht. Man muss immer wieder neu dafür arbeiten. Gerade heutzutage ist nichts mehr selbstverständlich. Man kann sicher lange vor sich hin moderieren, aber auch da ist es, wie Oma schon sagte: Von nichts kommt nichts, und man kommt dann vor allem auch nicht weiter.

?Die gesamte Medienlandschaft befindet sich im Umbruch. Wie wird sich die Branche Ihrer Meinung nach entwickeln?

!Zumindest was das Fernsehen angeht, wird es uns noch ein wenig erhalten bleiben. Und sobald das Fernsehen aufhört, schlecht das bessere Internet sein zu wollen, wird vieles wieder besser werden. Und ums Internet mache ich mir sowieso keine Sorgen.

?Weshalb sollen die Leute am 17. Januar zur Lesung kommen?

!Wird ein Spitzenabend! Lustig, laut, schnell, und zwischendurch gibt’s auch nachdenkliche, ja sogar traurige Momente. Es ist für jeden was dabei, also alles wie bei Helene Fischer! Außer, dass ich nicht mit zwei Pfund Pailletten von der Decke komme ... Dafür sind die Karten aber auch günstiger.

Die Lesung: Unter dem Titel „Mit fehlt ein Tag zwischen Sonntag und Montag“ liest Katrin Bauerfeind am Sonnabend (17. Januar) um 19.30 Uhr im Kleinen Haus des Staatstheaters aus ihrem aktuellen Buch. Die Journalistin, Moderatorin und Schauspielerin erzählt darin humorvoll von den großen und mittelgroßen Fragen des Lebens.
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