Anzeige

Ganz offen mit allen Gefühlen

Christoph Schlingensief ist tot – Er war seit 2009 Professor an der HBK Braunschweig.

Von Ingeborg Obi-Preuß, 22.08.2010

Braunschweig. Christoph Schlingensief ist gestern gestorben. Der 49-Jährige war – unter vielem anderen – Professor an der Hochschule für Bildende Künste in Braunschweig. Schlingensief starb an den Folgen einer Krebserkrankung, im Oktober wäre er 50 Jahre alt geworden.

Seit April 2009 war Schlingensief an der HBK Professor für „Kunst in Aktion“. Bei seiner Antrittsvorlesung war der Mann bereits vom Tod gezeichnet, Christoph Schlingensief war Anfang 2008 an Lungenkrebs erkrankt und operiert worden. Er schrie und schrieb seinen Schmerz und seine Angst hinaus; im ersten Jahr nach der Diagnose hat er drei Theaterstücke und ein Buch über den Krebs fertiggestellt. „So schön wie hier kanns im Himmel gar nicht sein“ – seine fast unerträglich traurige Leidensgeschichte wurde zum Bestseller.
Auch vor den Braunschweiger Studenten erzählte er bei seiner Antrittsvorlesung zum Teil erschütternd offen von seiner Krankheit, seinem Leidensweg, aber auch von seiner Hoffnung. Er war sicher, den Krebs besiegen zu können. „Jetzt ist alles wieder gut“, sagte er voller Zuversicht. Die Professur „Kunst in Aktion“ war auf fünf Jahre angelegt und auf rund sechs Semesterwochenstunden reduziert. Dass der Künstler kaum in Braunschweig sein werde, war wohl allen klar, die Studenten sollten vielmehr an den Orten, an denen Schlingensief seine Projekte inszenierte, an seiner Kunst teilhaben. Einige Studenten reisten beispielsweise mit ihm nach Afrika und begleiteten die Anfänge eines Opernhaus-Projektes in Burkina Faso.
Auch mit dem Staatstheater Braunschweig gab es eine Zusammenarbeit, die allerdings nicht weit über den Zustand der Planung hinauskam. „Wir wollten jedes Jahr eine gemeinsame Arbeit auf die Beine stellen“, sagt Pressesprecherin Helga Haase, „seine Gesundheit aber hat das nicht mehr zugelassen.“ Haase kennt Schlingensief noch aus ihrer Zeit am Theater Bonn, „ich habe ihn als unglaublich nett und sympathisch kennengelernt“, sagt sie, „sein Tod tut mir wirklich sehr leid.“
Information zu Weiterempfehlungen Einstellungen für Weiterempfehlungen
 auf anderen WebseitenSenden
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.