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„Frühschicht bei Tiffany“

Dann lieber Frühschicht: Das Frühstück bei Bob (Sebastian Teichner, r.) haut die anspruchsvolle Amy (Celine Lochmann) nicht gerade vom Hocker. Ex-Gatte Chris (Wolfram Pfäffle) kann sich ein Schmunzeln nicht verkneifen. Foto: imagemoove

Beziehungskiste auf drei Balkonen ist launiger Lückenfüller der Saison.

Von Andrè Pause, 28.10.2016.

Braunschweig. Zufälle gibt’s! Da lässt‘ Dich scheiden, ziehst um, und zack: Zieht die Ex kurze Zeit später zufällig einen Balkon weiter ein. Nein, wir wollen nicht darauf herumreiten, wie realistisch dieses Prozedere gerade in New York ist, dem Spielort des Stückes „Frühschicht bei Tiffany“, das jetzt in der Inszenierung von Florian Battermann in der Komödie am Altstadtmarkt Premiere feierte. Selbst, wenn den betreffenden Personen dieses Kunststück am Ende angedeutet ein zweites Mal gelingt.

Autor Kerry Renard wird beim Schreiben des Stoffes im Sinn gehabt haben, dass selbst der Schlichteste sofort erkennen soll, dass das Schicksal wirklich existiert, dass es hier zwei Menschen gibt, die einfach zusammengehören, allen Unzulänglichkeiten und Widrigkeiten zum Trotz.
Klar hat sich die recht zickige Amy (Celine Lochmann) mit Männerbild aus dem Märchenbuch von ihrem Gatten Chris (Wolfram Pfäffle) getrennt, weil der sich lieber mehr schlecht als recht der Schreiberei widmet als den deutlich erkennbaren Vorzügen ihrer Person. Und auch Chris will sehr demonstrativ nichts mehr von seiner Verflossenen wissen. Dass das baldige Liebes-Comeback dadurch sofort sonnenklar ist, ist neben der eigentlich völligen Abstinenz einer wirklichen Geschichte der Schwachpunkt dieser Beziehungskiste auf drei Balkonen.
Wieso überhaupt drei? Weil es mit Bob (Sebastian Teichner) noch einen liebenswert nerdigen Nachbarn gibt, der gerne Blumen gießt, und zur Freude des Publikums an einer Art Pflanzennamen-Tourette erkrankt ist. Dass der leicht verrückte Typ nicht als künftiger Traumprinz infrage kommt, ist – dem sehr konventionellen Geist des Stoffes sei Dank – allerdings ebenfalls schnell klar.
Sehr gut funktioniert der von Florian Battermann angenehm straff gestaltete Abend von netto anderthalb Stunden hingegen, wenn man sich auf die teilweise doch sehr amüsanten Dialoge und das Zusammenspiel der Bühnen-Charaktere konzentriert. Vor allem der Kontrast zwischen der von Pfäffle demonstrativ zur Schau gestellten Kargheit im Ausdruck und der präzise zwischen blumiger Melancholie und Slapstick pendelnden Attitüde Teichners machen den Abend, der in dieser Spielzeit die Lücken zwischen den en suite gespielten Produktionen füllt, unterm Strich unterhaltsam. Das Premierenpublikum spendet freundlichen bis kräftigen Applaus.
Wer „Frühschicht bei Tiffany“ in der Komödie sehen möchte, sollte sich beeilen: Alle drei Silvester-Vorstellungen sind beispielsweise schon ausverkauft. Weitere Infos im Internet: www.komoedie-am-altstadtmarkt.de.
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