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„Frühjahrsputz“ für den Herzog: Wasser und Seife statt Salzsäure

Elisabeth Krebs (l.) und Katja Witte-Knoblauch mit einem Zierelement des Grabmals. Foto: T.A.
Braunschweig: Dom |

Die Wiener Restauratorin Elisabeth Krebs rekonstruierte Herzog-Grabmal im Dom.

Von Ingeborg Obi-Preuß, 05.05.2015.
Braunschweig. „Besonders spannend an dieser Grabeskirche ist, dass die Kunst nicht zweckfrei ist“, sagt Dom-Pastorin Katja Witte-Knoblauch; „durch die Jahrhunderte erzählen die Figuren von den Tränen, die getrocknet werden, von der Hoffnung auf das Leben nach dem Tod.“ So auch das Grabmal von Herzog Ludwig Rudolf und seiner Christine, das gerade nach einer Generalüberholung wieder aufgestellt wird.

„Im Grunde geht es hier um elf Einzeldenkmäler“, konkretisiert die Restauratorin Elisabeth Krebs ihre Aufgabe, Figuren, Platten, Zierelemente und Schriften galt es zu säubern, zu reparieren, zu erneuern. 600 Kilo insgesamt wiegt das aus mehreren Teilen gegossene Ensemble aus dem 18. Jahrhundert.
„Es erzählt vom Ende einer großen Liebe“, erklärt Joachim Hempel, der als noch amtierender Domprediger die Reparatur im vergangenen Jahr in Auftrag gegeben hatte. In der Inschrift wird von einem glücklichen Paar gesprochen, einem strahlenden Fürsten und einer Witwe, die die Trauer um ihren Mann kaum überlebt hat.

Trotzdem – die barocken Zinkfiguren standen nicht gerade ganz oben auf Hempels Reparatur-Wunschliste, wichtiger waren die romanischen Kunstwerke und die kostbaren Malereien im Dom.
Restauratorin Krebs aber hatte die Schäden an den Figuren schon bei ihren früheren Arbeiten im Dom im Blick und mit deutlichen Worten die Sanierung angemahnt. Aber – die Mittel fehlten. „Und diesen finanziellen Brocken wollte ich nicht meiner Nachfolgerin aufbürden“, erklärte Hempel den Entscheidungsweg, er konnte erneut die Dombaustiftung ins Boot holen, und, „die Sache noch durchdrücken.“

Rund 100 000 Euro kostet die Sanierung. „Das Grabmal war wirklich sehr, sehr kaputt“, erklärt Elisabeth Krebs. 55 Korosionsschichten mussten abgetragen, Altretuschen entfernt, Abplatzungen behoben und gestoppt werden. „Früher hat man die Figuren mit Salzsäure gereinigt“, erzählt die Restauratorin, „das hat viel Schaden angerichtet. Risse und Brüche wurden einfach nur übermalt.“
Sie und ihr Team gingen in ihrer berühmten Werkstatt in Wien ganz behutsam mit Wasser und Seife vor, sorgsam wurde restauriert, fehlende Einzelteile – nach mitunter aufwendiger Recherche – nachgegossen.

Ein Jahr lang war das Grabmal in Wien, jetzt steht es wieder im Seitenschiff des Doms. Die tatsächlichen Gräber befinden sich in der Tiefe des Doms.
Herzog Ludwig Rudolph war der jüngste Sohn des berühmten Herzogs Anton Ulrich. „Er regierte lediglich vier Jahre“, erklärte Pastorin Witte-Knoblauch. Historisch ist der Herzog nicht so sehr aufgefallen, ist aber über seine Töchter nachhaltig in die Geschichte eingegangen: Elisabeth Christine (1691– 1759) wurde die Frau von Kaiser Karl VI und die Mutter von Kaiserin Maria Theresia; Charlotte Christine (1694 bis 1715) heiratete den Sohn von Zar Peter dem Großen.
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