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„Frauen sind viel komplexer“

Joy Fielding stellte beim Krimifestival ihr neues Buch vor – Interpretiert von Dennenesch Zoudé.

Von Birgit Leute, 28.10.2012.

Braunschweig. Man nehme: eine einsame Hütte, eine Familie in der Krise und einen Psychopathen, der gleich reihenweise die Leute umbringt. Mit Joy Fielding und ihrem neuen Roman „Das Herz des Bösen“ feierte das Braunschweiger Krimifestival seine schaurige Halbzeit.

Schwer vorstellbar, dass diese zierliche, elegante Dame, die da vorne auf der Bühne des Großen Hauses an ihrem Glas Wasser nippt seit fast 20 Jahren mit Begeisterung meuchelt. Joy Fielding, inzwischen 67 Jahre alt, ist mit ihren Psychothrillern vor allem beim weiblichen Publikum beliebt, und das war bei der Lesung im Staatstheater anlässlich des fünften Braunschweiger Krimifestivals dann auch klar in der Überzahl.
„Ich werde oft gefragt, ob ich Männer nicht mag, weil meine Hauptfiguren meistens Frauen sind. Aber das stimmt überhaupt nicht“, erzählt die Kanadierin im Interview mit NDR-Redakteurin Margarete von Schwarzkopf und lächelt. „Frauen sind nur viel komplexer, und – ich verstehe sie einfach besser.“
Auch der neue Roman „Das Herz des Bösen“ dreht sich – natürlich – um eine Frau. Die Heldin Valerie Rowes steht vor einem familiären Scherbenhaufen: Ihr Mann geht fremd, ihre pubertierende Tochter droht ihr zu entgleiten, und dann muss sie auch noch ihre jüngere Rivalin in ein entlegenes Hotel in die Berge bringen, wo eine rätselhafte Mordserie die Bevölkerung in Atem hält.
Das ist Psychodrama pur, aber „ich mag eben keine ‚Whodunits‘“, sagt die Autorin über sich und ihren Stil. Spannend für sie, das ist nicht die Suche nach einem geheimnisvollen Mörder – der ist bei ihr immer bekannt –, sondern die Kettenreaktion zwischen den unterschiedlichen Charakteren. „Mich interessiert immer, warum jemand mordet. Einen nur einseitigen, nur fiesen Mörder oder Schattierungen von Grau – das finde ich viel zu langweilig und zu simpel.“
Bei der Lesung sorgte Dennenesch Zoudé dafür, dass die Figuren Fieldings fast greifbar wurden. Perfekt traf die Schauspielerin, die als erste dunkelhäutige Kommissarin im „Polizeiruf 110“ berühmt wurde, den unterschiedlichen Ton der Protagonisten und sorgte mit der Interpretation der Eingangs-Mordszene für wohlige Gänsehaut. Begeisterter Applaus im nicht ganz voll besetzten Großen Haus.
Das fünfte Braunschweiger Krimifestival geht noch bis zum 28. November. Viele Lesungen sind bereits ausverkauft. Karten gibt es unter anderem noch für Stephan Ludwig am morgigen Montag (29. Oktober), 20.15 Uhr in der Buchhandlung Graff, oder für Don Winslow am 5. November, 20.15 Uhr, in der Braunschweigischen Landessparkasse.
Alle Informationen unter www.krimifestival-bs.de.
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