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Förderschule: Gleiche Lernziele gibt es nicht

Intensive und individuelle Betreuung für Oswald-Berkhan-Schüler.

Von Annette Heinze, 12.05.10

Braunschweig. Vor dem Portal der Oswald-Berkhan-Schule ist was los. Sechs Schüler und drei Betreuer kommen von der Klassenfahrt zurück. Ein Junge sitzt im Rollstuhl, er wird geschoben. Lehrerin Kerstin Hagge wirkt erschöpft, aber gelöst. Schulleiter Reinhard Fricke begrüßt sie herzlich.

Mehr als 200 Mädchen und Jungen besuchen die Förderschule mit dem Schwerpunkt Geistige Entwicklung. „Wir machen hier viele Klassenfahrten und gerne“, sagt die junge Lehrerin, „weil das für unsere Schüler eine tolle Sache ist.“
In Goslar, dem Ziel der Klassenfahrt, standen Kaiserpfalz und Rammelsberg auf dem Programm. Schüler und Lehrer übernachteten in der Jugendherberge. Dort trafen sie auf eine Gymnasialklasse. Kerstin Hagge erzählt: Während den Gymnasiasten eine kurze Ansage der Lehrer reichte, um sich am Buffet zu orientieren, gingen die Förderlehrer mit ihren Schützlingen mit, suchten gemeinsam das Essen und die Getränke aus: „Wir brauchen für jedes Kind viel Begleitung.“ Die Lehrer unterstützen auch bei der Körperpflege.
Dass die Schüler der Oswald-Berkhan-Schule in einer ganz normalen Jugendherberge übernachten, gehört zum Konzept der Schule. Die geistig behinderten Jugendlichen sollen teilhaben.
Mit der benachbarten Hoffmann-von-Fallersleben-Schule wurde so auch eine Schulband gegründet, Schüler der Oswald-Berkhan-Schule besuchen Integrationsklassen anderer Schulen in der Stadt: „Je selbstverständlicher es ist, miteinander umzugehen, desto größer ist das Verständnis“, sagt Reinhard Fricke, Leiter der Oswald-Berkhan-Schule, mit Blick auf nichtbehinderte Jugendliche.
Das Prinzip Teilhabe zählt auch innerhalb der Schule. „Bio mit Biss“ heißt die Schülerfirma. Geschäftsführerin Ines (16) gibt ihren Mitschülern selbstbewusst Anweisungen. Freitags werden in der Küche Muffins gebacken, Tomaten-Mozzarella-Spieße und andere leckere Sachen für einen Verkaufsstand zubereitet. In der Pause wird verkauft, die Schüler kassieren selbst, lernen abzurechnen, zu verwalten: „Wichtig ist, dass sich alle im Rahmen ihrer Möglichkeiten einbringen. Jeder Schüler soll mitmachen“, erklären Fricke und Konrektor Volker Packheiser.
Auch der Unterricht in der Förderschule wird auf die Fähigkeiten des einzelnen Schülers abgestimmt. Die Klassenstärke liegt bei sieben Schülern. Sie werden in der Regel von zwei Kräften betreut. Die Klassen seien „leistungsheterogen“ erläutert Konrektorin Maren Matz-Volkers: „Bestimmte Ziele für alle innerhalb eines Zeitraums gibt es nicht.“
Die Zahl der Schulanfänger mit geistiger Behinderung steigt übrigens bundesweit, landesweit und so auch in Braunschweig. Schulleiter Reinhard Fricke sagt: „Trotz der Erweiterung (siehe nebenstehenden Artikel, die Red.) reichen unsere Räume nicht aus.“

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