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Flüchtlingsthematik im Fokus

Regisseurin Julia Oelkers, Oliver Scheichl, Eberhard Busch (beide Refugium Flüchtlingshilfe) und Volker Kufahl (Universum) freuen sich auf den Start der Filmreihe „Can‘t be silent“. Foto: André Pause

Sechsteilige Filmreihe „Can’t be silent“ im Universum Kino mit gleichnamigem Film gestartet.

Von André Pause, 29.09.2013

Braunschweig. „Can’t be silent“ heißt eine vom Verein Refugium Flüchtlingshilfe gemeinsam mit dem Universum Kino ins Leben gerufene Filmreihe, die sich dem Themenspektrum Flucht und Migration sowie der Lebenssituation von Flüchtlingen in ihren Herkunftsländern und in Deutschland widmet.

Eine gemeinsame Präsentation des Films „Residenzpflicht“ mit anschließender Diskussion im April habe den Ausschlag gegeben, sich eingehender mit der Problematik zu befassen, so die Beteiligten. „In Arbeitstreffen haben wir überlegt, wie wir die Finanzierung hinbekommen und was wir zeigen“, skizziert Refugium-Geschäftsführer Oliver Scheichl.
Ziel der Filmreihe sei zum einen, die Braunschweiger Öffentlichkeit mit dem Thema vertraut zu machen und zum anderen, den Flüchtlingen mit Filmen in ihrer Muttersprache eine Teilnahme am kulturellen Leben zu ermöglichen. „Wichtig ist uns, dass Braunschweiger und Flüchtlinge zusammen ins Kino gehen. Wir wollten nicht unbedingt das drastische Schicksal – das kennen die Flüchtlinge aus eigener Anschauung selbst am besten. Wir möchten Anknüpfungspunkte für das Kennenlernen und das weitere Gespräch liefern“, erklärt Universum-Geschäftsführer Volker Kufahl.
Die, seiner Ansicht nach, von der Politik oft nicht gewollte Bindung zwischen Flüchtling und Aufnahmegesellschaft solle hergestellt werden – mit einem kulturellen Erlebnis, das die psychosoziale Ebene stärkt.
Den Auftakt der Reihe bildete jetzt Julia Oelkers titelgebender Film „Can’t be silent“, der im Zeitraum von Ende April bis November 2012 entstanden ist. Die Journalistin und Filmemacherin hat den Liedermacher Heinz Ratz bei seinen Besuchen in insgesamt 80 Flüchtlingsunterkünften begleitet. Der hatte dort Musiker für sein Bandprojekt „Refugees“ gesucht und gefunden. Die Protagonisten sind Sänger, Musiker und Rapper – und doch Ausgeschlossene. „Dadurch, dass ich zwei Seiten der Menschen zeigen kann: die der Künstler und die Flüchtlinge, wird die Diskrepanz sehr deutlich, zwischen dem Isoliertsein am Rand der Gesellschaft einerseits und der Situation, auf der Bühne zu stehen und bejubelt zu werden“, beschreibt Oelkers eine Ambivalenz, die der Film in jeder der 85 Minuten offenlegt.
Der Journalistin kommt den Protagonisten vor allem als Mensch nah, nur so gelingt wohl das Einfangen der eher privaten Momente, die die katastrophalen Zustände – ob hygienisch oder räumlich – in den Flüchtlingsunterkünften weder ausblenden noch beschönigen. Nicht jeder kann mit seiner Situation so offen umgehen wie Nuri aus Dagestan, der darüber rappt, wie es ist, sich mit Eltern und der Schwester ein Zimmer in der Asylunterkunft Meinersen bei Gifhorn teilen zu müssen, der in seinen Stücken beschreibt, was es heißt, mehr als zehn Jahre im Schwebezustand der (Ketten-)Duldung zu leben.
„Wichtig ist, dass nicht wir mit dem Film in die Lager gehen, sondern dass die Flüchtlinge rauskommen“, sind sich Julia Oelkers und Oliver Scheichl einig. Das Gremium Kooperative Migrationsarbeit Niedersachsen, welches Scheichl leitet, möchte die Thematik mit der Filmreihe verstärkt in den Blick der Politik bringen. Termine mit der niedersächsischen Sozialministerin Cornelia Rundt seien bereits vereinbart.
Derweil folgen im Universum im vierwöchigen Abstand, immer mittwochs um 19 Uhr, die Filme „Le Havre“ (23. Oktober), „Der Zirkus“ (20. November), „Wind und Nebel“ (18. Dezember), „Kick Off“ (15. Januar) und „Daratt – Zeit der Entscheidung“ (26. Februar). Jeweils mit anschließender Diskussion. Julia Olkers aufrüttelnde Dokumentation „Can’t be silent“ ist am 2. Oktober nochmals im Universum zu sehen, am 7. Oktober wird der Film im Kinocenter am Steinweg in Gifhorn gezeigt.
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