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Flucht aus der gekachelten Hölle

Regisseurin Sherry Hormann kam zum Start ihres Films „3096 Tage“ ins C1 Cinema.

Braunschweig, 03.03.2013.

Es ist ein Satz von Natascha Kampusch, der sich im Kopf verankert, wie ein Dübel in der Wand: „Es war klar, nur einer von uns beiden würde überleben. Und das war ich, letztlich. Und er nicht.“

Atemberaubend erzählt wird der achtjährige Verlauf des grausamen wie unfassbaren Entführungsfalles von 1998 bis 2006 nun im Film „3096 Tage“.
Das Drehbuch von Bernd Eichinger und Ruth Toma hat Regisseurin Sherry Hormann gemeinsam mit Kamera- und Ehemann Michael Ballhaus umgesetzt. Beklemmend und faszinierend zugleich ist das psychologische Element in diesem von Ballhaus Cinemascope fotografierten Kammerspiel. Der Wechsel zwischen Selbstbewusstsein auf der einen sowie Angst und Resignation auf der anderen Seite wird dem Kinobesucher von den Kampusch-Darstellerinnen Antonia Campbell-Hughes und Amelia Pidgeon schonungslos vor den Bug geschleudert. Sie spielen ebenso authentisch, wie Thure Lindhardt als Entführer Wolfgang Priklopil der Grausamkeit geradezu etwas Menschliches verleiht.
Erstmals wird also visualisiert, was unmittelbar nach der erfolgreichen Flucht Kampuschs nur zu hören und im Buch des Entführungsopfers nur zu lesen war: der Alltag im allein für diesen Zweck ausgehobenen Verlies, einer zwei mal drei Meter großen gekachelten Hölle. Noch einmal nachzuerleben, wie Entführer Priklopil sich abwechselnd mit körperlichen Demütigungen und Zuneigung seine eigene Frau schaffen will, sozusagen Gott spielt, dürfte nicht jedermanns Sache sein. Im Gespräch mit Sherry Hormann hört man heraus: Auch die Regisseurin hat leise Bedenken. Sie selbst hatte das Angebot, die Regie des Films zu übernehmen, zunächst abgelehnt. Erst nach Lektüre des Skriptfragments von Peter Eichinger hat sie schließlich doch noch zugesagt. „Mich hat diese Kraft fasziniert. Dass ein Kind es schafft, über all diese Jahre an Stärke zu gewinnen. Dass sie seine Macht bricht, das ist enorm“, erzählt Hormann im C1 Cinema, anlässlich ihres Besuches zum Kinostart von „3096 Tage“.
Natascha Kampusch selbst habe den Film gesehen. „Produzent Martin Moszkowicz hat es mir erzählt. Sie war ganz still und hatte vorher angekündigt, hinterher sofort abreisen und mit niemandem reden zu wollen. Doch dann ist sie geblieben, hat mit Moszkowicz gesprochen“, berichtet die Regisseurin, die diesen Umstand auch darauf zurückführt, dass der Film die Atmosphäre und das Verhältnis gut abbildet. Überhaupt könne man davon ausgehen, dass alles, was im Film vorkommt, so geschehen ist – auch was die Sexualität angeht. Der Film verhandelt Bereiche, an die wir uns mental ohne Weiteres sicher nicht heranwagen, gerade weil wir sie nicht verstehen können. Sherry Hormann meint allerdings: „Wenn ein Medium Moral hinterfragen, Ängste beleuchten kann, dann doch das Kino.“ Da lässt sich dann auch nicht widersprechen.
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