Anzeige

Filmstoff überzeugt auf der Bühne

Der querschnittsgelähmte Philippe (Timothy Peach, l.) ist auf Intensivpflege angewiesen. Driss (Felix Frenken) allerdings interessiert sich zunächst mehr für die attraktive Sekretärin Magalie (Sara Spennemann). Foto: Matthias Stutte

Das Stück „Ziemlich beste Freunde“ ist bis zum 9. Juni in der Komödie am Altstadtmarkt zu sehen.

Von André Pause, 27. April 2016

Braunschweig. Der Film „Ziemlich beste Freunde“ von Olivier Nakache und Èric Toledano sorgte vor gut vier Jahren für reichlich Furore. Die Geschichte des wohlhabenden querschnittsgelähmten Philippe, dessen Leben durch die unkonventionellen Betreuungsmethoden des Ex-Knackis Driss eine spürbare Aufwertung erhält, rührte Millionen Kinobesucher. Nun ist sie auf der Bühne in der Komödie am Altstadtmarkt zu sehen.

Regisseur Gerhard Hess konzentriert sich in der mittlerweile bundesweit sehr erfolgreich aufgeführten Theaterversion (mehr als 200 Vorstellungen in zwei Jahren stehen zu Buche) schon deshalb auf die Intensität der kammerspielartigen Momente, weil die im Film zu sehenden Ausflüge mit dem Maserati oder dem Privatjet – die für Philippe einen Rückgewinn an Lebensfreude darstellen – indoor selbstredend nicht abbildbar sind.
Die sich entwickelnde zwischenmenschliche Pfleger-Patient-Beziehung zwischen Phillipe, der alles möchte, nur kein Mitleid, und Driss, der eigentlich nur einen Stempel benötigt, um Arbeitslosengeld zu bekommen, steht verdichtet im Zentrum des Geschehens. Dabei entzieht Hess der Geschichte an manchen Stellen – vielleicht muss das im Boulevard aber auch so sein – ein bisschen zu sehr die sanfte Melancholie, besteht auch dort auf den komödiantischen Einschub, wo im Film Tragik für die nötige Fallhöhe sorgt.
So fegt der quirlige Felix Frenken als Driss im Rollstuhl des Patienten über die Bühne, tanzt mit der attraktiven Sekretärin Magalie (Sara Spennemann) und versucht mit ihr anzubandeln. Das ist eine Weile ganz lustig, verbraucht sich aber ebenso schnell wie der allzu affektiert behauptete Ekel vor intimeren Pflegeleistungen.
Gut wird der Abend deshalb vor allem dann, wenn Timothy Peach sich in der Rolle des Philippe etwas näher an die Abgründe der eingeschränkten Existenz bewegen kann, und auch Frenken weniger klamaukig sondern einfach nur etwas roh, frech und augenzwinkernd sein darf. Einprägsam ist insbesondere jene Szene, in der Driss den Philippe des Nachts aus einer Erstickungssituation befreit, und sich zwischen den beiden Joint rauchenden Männern ein beinahe philosophisches Gespräch entwickelt, in dem Leichtigkeit und Schwere faszinierend nah beieinanderliegen.
Unter dem Strich steht ein sehenswerter Abend, bei dem die Akzente des Stoffes schlüssig in Richtung Unterhaltung verschoben sind. Das Ensemble überzeugt.
Bis zum 9. Juni ist das Stück in der Komödie am Altstadtmarkt zu sehen. Alle Termine und weitere Infos unter www.komoedie-am-altstadtmarkt.de.
Information zu Weiterempfehlungen Einstellungen für Weiterempfehlungen
 auf anderen WebseitenSenden
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.