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Fernab jeglicher Berechenbarkeit

High End durchgescheppert: HGich. T aus Hamburg. Fotos: oh

Das Künstlerkollektiv HGich. T spielt am kommenden Sonnabend in der Kulturfabrik Hildesheim.

Von André Pause, 22.10.2014.

Braunschweig. Dada oder Gaga? Wer diese Frage mit: „Am liebsten beides!“ beantworten kann, sollte sich am Sonnabend (25. Oktober) um Himmels willen nichts anderes vornehmen und nach Hildesheim aufmachen. Denn: In der dortigen Kulturfabrik gastiert die Hamburger Künstlerband HGich.T.

Seit Gründung Mitte der 90er Jahre entziehen sich die Herrschaften mit großem Erfolg jeglicher Berechenbarkeit. Und daher gleich die gute Nachricht: Das ändert sich auch mit ihrem in Kürze (VÖ 7. November, Tapete Records) erscheinenden mittlerweile dreikommafünften Album „Megabobo“ (Mega-Bohémien) nicht. Durch manchmal banales, auch mild obszönes, oft obskures, eigentlich nie zusammenhängendes Textwerk wird ein Kosmos voller bunter Farben und Nonsens geschaffen, bei dem manchem Zeitgenossen der Meschugge-Scheibenwischer vor dem Gesicht leicht von der Hand gehen mag. Zu Risiken und Nebenwirkungen den Apotheker zu befragen, würde der Sache jedoch nicht gerecht. Die Totalverweigerungshaltung von Mastermind Vhagvan Swami (früher Anna Maria Kaiser) und seinen mindestens zehn Mitstreitern vor ästhetischen und künstlerischen Konventionen hat Methode – und sie hat etwas sehr Befreiendes, Entspannendes. Vor allem live sind die mentalen Lockerungsübungen zu Beats, von denen jeder dachte, sie seien ausgestorben, ein Vergnügen. Diesen Sommer beispielsweise sorgte die mit psychoaktiven Pflanzen angereicherte Performance „Excess Yourself“ zusammen mit der Berliner Gruppe Gods Entertainment beim Live Art Festival im Hamburger Kampnagel für Aufruhr.
Auf „Megabobo“ gibt es von der Arty-Farty-Kunst-Goa-Neon-Stute (O-Ton Presse-Waschzettel) neben technoiden Steilgängen nun auch „Eye of the Tiger“-Gitarren-Loops oder Calypso. In Sachen Partytauglichkeit bleibt alles beim Alten.
Die Debüt-EP umschrieb Linus Volkmann von der Musikzeitschrift Intro mal mit der pseudoresignierenden Formel: „Das ist alles so scheiße, dass es schon wieder scheiße ist.“ Heute, fünf Jahre später, sollte das ruhig einmal etwas freundlicher gesagt werden dürfen: HGich.T sind einfach gut degeneriert – degeneriert gut. Deichkind? Das war!
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