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Es lohnt sich, genauer hinzusehen

Farina Hamann (l.) und Annika Heller aus dem Studiengang Visuelle Kommunikation präsentieren ihre VR-Arbeit „Ana Kalypto“.
 
Industrial Designer Bujar Peci hat den Stuhl „U2“ konzipiert.

„Rundgang – Open Studios“ an der Hochschule für Bildende Künste läuft noch bis Sonntag.

Von André Pause, 16.07.2016.

Braunschweig. Etwa 400 Arbeiten könnten es sein, die im Rahmen von „Rundgang – Open Studios“ in diesem Jahr präsentiert werden, schätzt Jesco Heyl, Pressesprecher der Hochschule für Bildende Künste (HBK). So genau lässt sich das aber nicht beziffern. Denn viele der insgesamt knapp 1100 eingeschriebenen Studenten aller künstlerischen, gestalterischen und wissenschaftlichen Studiengänge sowie Stipendiaten kooperieren, arbeiten gemeinsam an Projekten.

Bis Sonntag 18 Uhr sind sämtliche Ateliers, Klassen und Werkstätten (nicht nur am Campus, sondern auch an den externen Standorten der Hochschule, beispielsweise in der Blumenstraße, der Kreuzstraße oder am Artmax-Gelände) für die breite Öffentlichkeit zugänglich.

In den meisten Fällen dokumentieren die im Rahmen des Rundgangs gezeigten Arbeiten das Ergebnis des vergangenen Jahres, vielfach handelt es sich auch um Abschluss- und Projektarbeiten. Ein besonderer Anziehungspunkt ist zudem die seit einer Woche laufende Meisterschülerausstellung im Raumlabor an der Hamburger Straße. „Unser Anspruch als die niedersächsische Kunsthochschule, ist, an diesen fünf Tagen auch viele Menschen außerhalb Braunschweigs anzusprechen“, betont Heyl.

Ein Projekt, das nicht nur Kunstinteressierte begeistern dürfte, ist die erste öffentlich präsentierte Virtual-Reality-Arbeit der HBK. In drei Monaten haben Annika Heller (24) und Farina Hamann (22) aus dem Studiengang Visuelle Kommunikation diese auf die Beine gestellt, laden mit „Ana Kalypto“ zu einer faszinierenden Reise ein, die echte Welt und Virtualität miteinander verknüpft. Der Besucher, ausgestattet mit Brille und Kopfhörer, startet durch einen Handscan seinen Flug zu den Sieben Weltwundern, die sich in diesem Fall auf Inseln befinden und durch Berührungen von foliebeschichteten Flächen ansteuern lassen. „Motion Sickness?“, fragt Michael Jonas im Anschluss an den Trip, und ist erleichtert über das Kopfschütteln des Probanden. „Wir haben lange daran geschraubt, dass das nicht passiert, weil man den Leuten damit schon nachhaltig den Spaß an der Sache verderben kann“, erklärt der zuständige Vertretungsprofessor.

Bei den Vertretern der Freien Kunst ist die Spielübelkeit offensichtlich kein Thema, verspielt ist freilich auch manches Objekt in den Ateliers auf dem Artmax-Gelände. „Welcome to Ferrari Island“ von Christian Hapke (39) beispielsweise beschäftigt sich mit Prägungen und Kindheitserinnerungen, arbeitet dabei doppelbödig mit Bildern der Illusion aber auch der Desillusion. Das schnelle Automobil als Kleinerjungenstraum bildet der Künstler durch eine garagengroße Fläche mit penibel geformten Sandbuchstaben ab. Verstörend, fast ein bisschen brutal wirken die dem Szenario zugefügten Reifenspuren. Ob es ein Ferrari oder doch ein Kleinwagen war, der die Spuren in der kindlichen Sicht auf die Dinge hinterlassen hat, lässt Hapke offen. Ein einzelner Reifen allerdings war es nicht. „Das wäre gelogen, und man kann nicht mit einer Lüge arbeiten“, sagt er fest, während im Hintergrund auf einem TV-Bildschirm scheinbar Überschläge zu sehen sind. „Kein Autounfall“, klärt Hapke auf: Eine an Fahrradspeichen befestigte Kamera habe die Bilder gemacht.

Einmal mehr ist der Betrachter eingeladen, genauer hinzuschauen. Überhaupt bietet der Rundgang reichlich Gelegenheit, die Sinne zu schärfen. Ein wenig Zeit mitzubringen schadet also nicht.

INFO

Am heutigen Samstag sind die Ateliers, Klassen und Werkstätten der HBK von 10 bis 20 Uhr geöffnet. Morgen, am letzten Tag von „Rundgang – Open Studios“ ist ein Besuch von 12 bis 18 Uhr möglich. Führungen (Treffpunkt: Info im Aulafoyer) finden heute um 13, 15 und 17 Uhr sowie morgen um 13 und 15 Uhr statt. Das komplette Programm finden Sie unter rundgang.hbk-bs.de im Internet.
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