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Erdfarbene Klischees

„Das Wochenende“: Regisseurin Nina Grosse kam zur Vorpremiere.

Von André Pause, 14.04.2013.

Braunschweig. Erdfarben beherrschen die Kulisse im brandenburgischen Zerlow, schöne Menschen schauen eine Spur zu sinnlich ins Nichts.

Es gibt mehr als nur ein paar Szenen in Nina Grosses neuem Film „Das Wochenende“, die in der berechenbaren Ästhetik eines Werbeprospekts für distinguiert-kernige Herbstmode aufmachen. Doch so klischeehaft viele Motive des Szenenbildes von Knut Loewe auch sein mögen, so sehr die Patina schnüffelnde Kamera von Benedict Neuenfels mit linolschnittartigen Helligkeitskontrasten schwanger geht – die optischen Finessen sind noch das Beste, was die 98 Minuten zu bieten haben. Der Film ist angelehnt an Bernhard Schlinks gleichnamigen Roman. Einige nicht unwesentliche Veränderungen im Plot hat Nina Grosse, die für Drehbuch und Regie gleichermaßen verantwortlich zeichnet, allerdings vorgenommen: Inga Lansky (Katja Riemann) – im Buch Selbstmord, hier nicht – erfährt von Freundin Tina Kessler (Barbara Auer), dass deren Bruder Jens, Ingas Jugendliebe und RAF-Mitglied (Sebastian Koch) – bei Schlink dem Tode geweiht, bei Grosse uneingeschränkt vital und Kampfesgeist verströmend – nach 18 Jahren aus der Haft entlassen wird. Tinas Einladung zur Wiedersehensparty ins renovierte Landhaus steht Inga skeptisch gegenüber. Wenig begeistert ist sie, den Vater des gemeinsamen Sohnes Gregor (Robert Gwisdek) wieder zu treffen, gibt dann aber dem Drängen ihres Mannes Ulrich (Tobias Moretti) nach. Henner (Sylvester Groth), bis zu einem bestimmten Punkt Jens‘ Mitstreiter, nunmehr geläutert und kommerziell erfolgreicher Chronist der alten Untergrundzeiten, komplettiert das Ensemble des Willkommenswochenendes, welches sich später um Ingas und Ulrichs Tochter Doro (Elisa Schott) und schließlich um Gregor erweitert.
Beinahe jeder der stereotyp gezeichneten Charaktere in diesem Beziehungsgeflecht hat mit anderen Protagonisten Dinge zu klären: Jens, im Herzen noch voller Glut für die Revolution, möchte wissen, wer ihn vor der Festnahme verraten hat, Konditoreimogul Ulrich möchte wissen, wie beziehungsweise für wen seine Frau wirklich fühlt, die unsichere Inga wüsste dies selber gerne, Gregor will Antworten seines Vaters und so weiter. Meist erschöpfen sich die Konflikte allerdings in Fragen, die unzureichend oder gar nicht beantwortet werden. So wird in dieser lakonischen Familienaufstellung auch so gut wie nichts geklärt. Einzig der Vater-Sohn-Disput zwischen Jens und Gregor erscheint, weil laut und physisch, weniger blass.
„Das Wochenende“ sollte nach Informationen der Regisseurin bewusst kein Film über die RAF werden, sondern eine Konfrontation von Lebensentwürfen im Hier und Heute. Schön, aber zwingend geht anders.
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