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Engel hat ´nen Texthänger now

Das Kind wurde geboren – alle sind glücklich. Foto: André Pause

Weihnachtsgeschichte im Wintertheater geht in die vierte Spielzeit – Restkarten werden knapp.

Von André Pause, 6. Dezember 2014.

Braunschweig. Pah, soweit ist es gekommen: Jetzt haben die Schafe aus der Braunschweiger Weihnachtsgeschichte im Wintertheater schon Nebenjobs.
„Eine warme Suppe?“, wird tierisch freundlich gefragt, und sogleich ein kleines Glas mit heißer Flüssigkeit gereicht. Das tut gut bei dieser, nein, nicht Schafs-, sondern Schweinekälte. Bevor sich die Zuschauer im Spiegelzelt an der Martinikirche die Vorgeschichte Jesu zu Gemüte führen, ist damit alles Bibbern vergessen.

Das Zelt ist ausverkauft, was keine Seltenheit ist. Mehr als 25 000 Besucher haben die Produktion des Erfolgsduos Peter Schanz und Christian Eitner seit der Premiere im Jahr 2011 gesehen. Einige – das vernehmen die gespitzten Lauscher aus Gesprächsrunden – sind im vierten Jahr auch schon das vierte Mal dabei. Echte Fans anscheinend.
In der Schreiberling-Loge sitzt dann ein Paar, das zum ersten Mal dabei ist. „Alle reden immer darüber, da möchte man es doch mal selber gesehen haben“, erzählen beide vergnügt. Den Liederabend „Die Weihnachtsfeier“ hätten sie ebenfalls gesehen und seien durchaus angetan gewesen.
Über die „Braounschwaaagische“ Version der Weihnachtsgeschichte viele „Wochte“ zu machen, hieße Eulen nach Athen zu tragen. Arne Stephan als Joseph, „in Braunschweig schlicht und einfach Joseph“, beginnt die neutestamentarische Story der Herren Matthäus und Lukas aus seiner Sicht zu erzählen. Seine hochschwangere Frau Maria, die Kathrin Reinhardt selbst in Gesangspassagen mit einem Höchstmaß an Mütterlichkeit zu geben weiß, und er werden vom Engelchen Daniela Grubert und ihrem strahlend hellen Stimmchen zum Gebären nach Braunschweig begleitet. Doch Rapper Cappuccino weist das Gespann in freudiger Erwartung ein ums andere Mal brüsk ab („Ihr kommt hier nicht rein“). Das klingt schroff, aber auch schrullig. Und am Ende geht ja alles irgendwie doch gut aus, wie wir wissen.
Bis dahin wird sehr viel gesungen: „Macht hoch die Tür“, „Stille Nacht“, „O Du fröhliche“ und einiges mehr, geben die Darsteller zum Besten, situativ behutsam begleitet durch die Musiker der Jazzkantine. Den wohl bleibendsten Eindruck hinterlässt die von Tom Bennecke im Wah-wah-Stil gespielte Joan Osborne-Nummer „One of us“, vielleicht, weil es kein ausgewiesener Weihnachtssong ist. Herrlich schräg sind Cappuccino, Christian Eitner und Christian Winninghoff als Heilige drei Könige in Militäruniform. In einer Dreierkonferenz am Telefon verbreitet sich die freudige Nachricht der Geburt Jesu wie ein Lauffeuer: „Neue Kollega!“ Alle sind glücklich – auch die Besucher, die zwischendurch mit Wurst, Brot und Süßigkeiten verpflegt werden. Den Schlusspunkt bildet dann das im Kollektiv vorgetragene „Weihnacht in Brunswiek“. Dabei verschlägt es Daniela Grubert glatt die Sprache. „Der Engel hat einen schönen Texthänger now“, singt sie. Und das ist doch irgendwie beruhigend: Auch im vierten Jahr gibt es Unvorhersehbares.
Weitere Infos zum Programm des Wintertheaters finden Sie unter www.wintertheater.de.
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