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„Einmal die Routine zerkloppen“

Das Ensemble des Staatstheaters besuchte mit Regisseur Nicolai Sykosch und Generalintendant Joachim Klement (r.) die Slapstick-Ausstellung im Wolfsburger Kunstmuseum. Foto: André Pause

Regisseur Nicolai Sykosch und das Ensemble des Staatstheaters zu Besuch im Kunstmuseum.

Von André Pause, 08.12.2013.

Braunschweig/Wolfsburg. „Der Geist muss sich einpegeln auf den nackten Wahnsinn“, sagt Nicolai Sykosch, der damit die erste grundlegende Herausforderung beschreibt, die das nächste Stück im Schauspiel des Staatstheaters mit sich bringt. Dass diese Produktion „Der nackte Wahnsinn“ heißt, erklärt das Wortspiel des Regisseurs.

Es sei gewissermaßen das Stück der Stunde meint er, und mag insofern Recht damit haben, als dass die Komödie von Michael Frayn in der letzten Zeit auf mancher Bühne (unter anderem im Schauspiel Köln und im Hamburger Thalia Theater) zu erleben war beziehungsweise ist.
Die Braunschweig-Premiere im Kleinen Haus ist am 17. Januar (19.30 Uhr). Für die erste Leseprobe zog es Regisseur und das Schauspielensemble jetzt an einen für diesen Zweck ungewöhnlichen Ort: ins Wolfsburger Kunstmuseum. „Slapstick“ heißt die Ausstellung, mit der Museumsleiter Markus Brüderlin das Komische und seine Fortschreibung in der Gegenwartskunst zum Thema macht. Dass der „Slapstick“ ursprünglich ein Theaterrequisit war, ist dabei ein idealer Ausgangspunkt, um den Probenbeginn zu einer Komödie ins Museum zu verlegen, findet Regisseur Nicolai Sykosch: „So, wie im Stück hinter die Kulissen geschaut wird, so müssen wir als Produzenten die Sache profund angehen. Also gehen wir erst einmal ins Museum, dorthin, wo den Dingen auf den Grund gegangen wird. Ich habe den Titel gesehen, und gedacht: das kommt im Stück elementar vor. „Der nackte Wahnsinn“ ist ja die Mutter aller Komödien, weil da nicht ein Komödienschreiber eine Komödie in einer Reihe von Komödien produziert, sondern ins Theater geht und wirklich untersucht, was Komik ist.“
Rund zwei Stunden führte Brüderlin das Ensemble des Staatstheaters persönlich durch die Ausstellung. Der unmittelbare inhaltliche Austausch zweier kultureller Schwergewichte in der Region sei zugleich ein Geschenk an die Schauspieler, meint der Regisseur, der solche Exkursionen im Verlauf von Produktionen schon öfter gemacht hat, unter anderem für „Dantons Tod“ im Grazer Gefängnis weilte. „Ich weiß, wie und wie viel die Schauspieler arbeiten. Man erleichtert den atmosphärischen Beginn einer Arbeit, es hat etwas von Durchputzen. Auf diese Weise besteht die Möglichkeit, über den Tellerrand zu schauen den Alltag wegzulassen und die Routine zu zerkloppen.“
Michael Frayns Komödie ist ein Stück-im-Stück-Spiel mit der Lust an der Katastrophe, mit Slapstick und Anarchie, Chaos und Verzweiflung, Ernst und Komödie – und mit dem unwiderstehlichen Spaß, den man dabei haben kann, diesem Treiben zuzuschauen. Nicolai Sykosch beschreibt es so: „Es geht um das System, das aufrecht zu erhalten ist, was aber nicht funktioniert, weil alle immer so tun, als ginge es immer so weiter. Man versucht alles so zu belassen, nimmt nicht Bezug auf das, was schon auf einen einstürzt. Und so fliegen einem die brennenden Balken um die Ohren.“
Natürlich gehe es bei Komik auch und vor allem um Leid, meint der Regisseur. Ohne eine existenzielle Not oder Schwierigkeit sei das alles eben nicht komisch, und das sei auch sein Hauptanliegen. „Das ist Urhandwerk. Du musst wie ein Uhrmacher gucken, dass die Räder laufen. Es geht weniger um Konzeption, den neuen Entwurf oder die neue Idee. Etwas komisch zu machen ist das übergeordnete Ziel, aber keine Sache, auf die du hinarbeiten kannst. Es geht eher darum, die Dinge so ernst zu nehmen, dass man selbst einen völlig absurden Vorgang zu einer existenziellen Situation ausbaut. Nur ernst arbeiten, dann wird es vielleicht komisch.“
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