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„Einfach mal sitzen und zuhören“

Robert Forster hat sein neues Album „Songs To Play“ veröffentlicht. Foto: Stephen Booth/oh

Go-Betweens Gründer Robert Forster meldet sich nach sieben Jahren mit neuem Album zurück.

Von André Pause, 23.09.2015.

Braunschweig. Sieben Jahre ist es her, dass Robert Forster „The Evangelist“ veröffentlicht hat, sein vielbeachtetes fünftes Soloalbum, das erste nach dem Tod von Grant McLennan, dem Freund und gemeinsamen Mitbegründer der Go-Betweens. Jetzt, zwei Jahre später als avisiert, meldet sich der australische Singer-Songwriter mit „Songs To Play“ (VÖ 18. September, Tapete Records) zurück.

Das Album ist im Gegensatz zum atmosphärisch eher besinnlichen Vorgänger (bei dem McLennan an einigen Stücken noch beteiligt war) ein gutes Stück aufgehellter, klarer – und experimentierfreudiger, was den Sound anbelangt. Neben dem Popsong hat Foster dem Rock („Learn To Burn“) ebenso Platz gemacht wie dem Bossa nova („Love Is Where It Is“) oder dem Soul („I’m So Happy With You“).
Dass „Songs To Play“ so facettenreich geworden ist, sei auch der Zusammenarbeit mit den Multi-Instrumentalisten Scott Bromley und Luke McDonald (von The John Steel Singers), Matt Piele (der Schlagzeuger seiner Tour-Band) sowie der Geigerin und Sängerin Karin Bäumler geschuldet, so Forster. „Ich habe mit Musikern zusammengearbeitet, die sehr verschiedene musikalische Farben eingebracht haben und auch Ideen hatten bezüglich der Arrangements und der Produktion. Das hat dem Album letztlich eine ganz eigene Frische verliehen, die es von meiner letzten Platte unterscheidet.“
Nachdem Robert Forster die letzten Alben allesamt digital produziert hat, wechselte er dieses Mal zur analogen Machart. „Ich denke, dass die Singer-Songwriter-Musik die ich mache, an und für sich prädestiniert ist für das Analoge. Das passt gut zusammen. Es ging mir allerdings nicht nur um den Sound des Albums, sondern um den gesamten Produktionsprozess. Ich wollte nicht ins Studio, alles auf dem Bildschirm kontrollieren, sondern einfach einmal sitzen und zuhören, auf meine Schuhe oder aus dem Fenster gucken.“
Diese Entspanntheit hört man nicht nur den zehn Liedern von „Songs To Play“ an, sie spiegelt sich auch im Titel des Albums wider. Dabei stelle der keineswegs eine Aufforderung dar, die Dinge unterkomplex zu interpretieren. Zu kompliziert und bemüht sollte es dann aber auch nicht klingen, meint der Künstler.
Eine Sichtweise, die auf Fosters temporären Seitenwechsel ins journalistische Fach zurückzuführen sein könnte, schließlich ist die allgemeine Verständlichkeit hier ein nicht zu unterschätzendes Kriterium. Dass seine seit 2005 verfassten Kritiken für die Zeitung „The Monthly“, die zum Teil auch in Buchform („The Ten Rules Of Rock And Roll“, 2009) erschienen sind, auf sein Songwriting abgefärbt hätten, glaubt Forster dennoch nicht: „Eher könnte es andersherum sein, dass meine Art Songs zu schreiben oder meine Ideen zur Musik, zu Bands und Alben in die journalistischen Texte geflossen sind.“
Überhaupt habe sich das Musikmachen, zumindest was den kreativen Prozess anbelangt, für ihn im Laufe der Jahre nicht so sehr verändert. „Meine Art und Weise Songs zu schreiben ist exakt die gleiche wie 1977, als ich anfing.“ Neugierig sei er nach wie vor, und einen guten Song zu schreiben sei weiterhin eine der größten Lebensfreuden: „Du schreibst Lyrics und denkst: Wow! Da entsteht quasi etwas aus dem Nichts. Es ist etwas, das Dir den Atem nimmt. Für mich ist das eine wundervolle Sache.“
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