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Einfach mal ins Herz hineinsehen

Haus Drei: Die Kinderoper „Prinzessin Anna oder Wie man einen Helden findet“ sprüht vor Witz

Von André Pause, 01.03.2015.

Braunschweig. Eine ganz moderne Prinzessin haben wir da – in der Kinderoper „Prinzessin Anna oder Wie man einen Helden findet“ von Jakob Vinje, die jetzt im Haus Drei des Staatstheaters Premiere feierte.

Das Glitzerhandy legt sie nur ganz selten aus der Hand, und wenn das verwöhnte Ding in ihren Gemächern des Europaletten-Schlosses abhängt, wird „In Touch“ gelesen. Zu ihrem Leidwesen ist das Lotterleben vorbei, als ihr Vater, der König, genug hat, goldene Krone und roten Mantel beiseitelegt und im Hawaiihemd freudig singt: „Ich danke ab, ich tanke auf!“ Seiner Tochter Anna überlässt er vor seiner Abreise nach Mallorca das halbe Reich – die andere Hälfte soll sie erst bekommen, wenn sie einen Helden gefunden hat, den sie heiraten kann. Weil Zofe Moldau den netten Puppenspieler Jakob gerade erst verjagt hat, ist guter Rat nun umso teurer.

Christina Sievert inszeniert die jugendlich-naive Suche im Folgenden, die für das zickige Prinzesschen – welches Moran Abouloff mit mädchenhaftem Sopran und einem Minenspiel zum Niederknien gibt – auch eine Reise zu sich selbst ist, mit vielen witzigen Momenten. Die Kernbotschaft verliert sie dabei dennoch nicht aus den Augen: „Ein echter Held, der braucht kein Schwert. Ein gutes, liebevolles Herz ist viel mehr wert.“ Man sollte halt, wie so oft im Leben, einfach mal in das seine oder ihre hineinsehen oder hören.

Um zu dieser im Grunde so einfachen Erkenntnis zu gelangen, werden zur Musik von Johanna Motter (Klavier), Roxana Blaga (Violoncello) und Wolfgang Bayer (Klarinette) verschiedenste Märchen zumindest mild entromantisiert und auf die Schippe genommen. Die vermeintlichen Königswege zum Traumprinzen sind teilweise auch deshalb keine, weil die Zofe Moldau – Carolin Löffler im Mezzosopran – diesbezüglich nur kurioses Halbwissen weitergeben kann. Wenn nicht eine Erbse unter die Matratzen gelegt, sondern ein ganzer Berg der Hülsenfrucht verschlungen wird, schaut statt eines Prinzen folgerichtig nur die – „Entschuldigung!“ – Flatulenz vorbei. Die akustischen Fürze liefert zur großen Freude der kleinen Besucher das Cello.

Dass die Geschichte ein Happy End hat, liegt nicht zuletzt an Jakob, den Michael Ha als sehr natürlichen und klarsehenden Menschen verkörpert. Der rückt von seiner Unaufgeregtheit nur ein einziges Mal mit heißem Herzen ab: als er der zunächst wankelmütigen Prinzessin seine Liebe gesteht. Auch als Froschkönig und König ist Michael Ha zu erleben, da dann allerdings jeweils eine Nuance kesser und verschmitzter.

Unter dem Strich ist „Prinzessin Anna oder Wie man einen Helden findet“ eine ebenso lebenskluge wie witzige Produktion für Kinder ab sechs Jahren – und Erwachsene mit jungem Humor.

Weitere Aufführungen sind am 2. bis 5., 17. und 18. März (jeweils um 11 Uhr) sowie am 7. März (15 Uhr).
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