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„Einer trage des anderen Last“

Chronik der Mansfeld-Löbbecke-Stiftung: Ein Buch über Alltag, Armut und Engagement

Von Ingeborg Obi-Preuß

Braunschweig. Bereits vor 175 Jahren machten sich engagierte Menschen aus Braunschweig Gedanken um sinnvolle Kinderbetreuung, unter ihnen die Bankiersfrau Amalie Löbbecke und der Arzt Dr. David Mansfeld.

Sie gründeten am 2. Dezember 1833 die erste Kindertageseinrichtung der Stadt. Zum 175. Geburtstag der Mansfeld-Löbbecke-Stiftung hat Professor Dr. Gerd Biegel jetzt ein Buch vorgelegt.
„Beim Studium der Quellen dachte ich häufig, ich befinde mich in einer ganz aktuellen Diskussion“, sagte Biegel bei der Buchpräsentation, „damals wie heute geht es um die Tagesversorgung von Kindern und um einen Mittagstisch.“ Allerdings war das Leben vor 175 Jahren noch deutlich rauer: Viele Eltern mussten mehr als 14 Stunden in Braunschweiger Fabriken arbeiten, ihre Kinder waren sich selbst überlassen.
Mit zeitgenössischen Darstellungen lässt Biegel den Gestank und das Elend aus den engen Behausungen der Armen an Klint, Nickelnkulk und Werder lebendig werden. Mehr als die Hälfte der Kleinkinder in diesen Armenvierteln starben, bevor sie ein Jahr alt wurden.
Von Misshandlungen und Vernachlässigung ist zu lesen, von schweren Verbrennungen, die die alleingelassenen Kinder an den offenen Feuerstellen erlitten.
Caroline Mansfeld, Charlotte Vieweg, Amalie Löbbecke, Marie Lachmann und Wilhelmine Schärer mochten da nicht länger zusehen und forderten soziales Engagement vom Braunschweiger Bürgertum. Am 2. Dezember 1833 wurde die „Pflegeanstalt für dürftige Kinder“ gegründet.
Der Bedarf war so groß, dass bereits ein Jahr später ein eigenes Gebäude an der heutigen Leopoldstraße als „Kleinkinderbewahranstalt“ genutzt wurde.
Amalie Löbbecke, Mitbegründerin der Stiftung, kommt aus einer angesehenen Braunschweiger Familie. „Humorvoll in ihrem Wesen“, beschreibt Gerd Biegel die engagierte Frau, die besonders bei den Kindern beliebt war. „Eine Geschichte, eine Geschichte, Tante Male“, werden die begeisterten Ausrufe der Kinder aus privaten Aufzeichnungen zitiert.
Heute verfügt das Netzwerk der Mansfeld-Löbbecke-Stiftung über 15 Wohngruppen in der Region, mit Schwerpunkten in der psychiatrischen Nachsorge und Akutversorgung. Die Stiftung ist nach wie vor ihrem Leitbild von 1833 verpflichtet. „Junge Menschen, die aufgrund ihrer seelischen Verwundung keine Heimat finden, müssen solidarische Verknüpfung und Unterstützung erfahren... Denn einer trage des anderen Last.“
Das Buch „Kinder – Bürger – Stiftung, Chronik der Mansfeld-Löbbecke-Stiftung 1833 bis 2008“, ist reich bebildert und 144 Seiten stark. Erhältlich für 14, 90 Euro im Buchhandel und im Braunschweigischen Landesmuseum.
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