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Eine Projektionsfläche für die Sehnsüchte

Autor Frank Schäfer schreibt Kritiken, Kolumnen, Essays, Short Stories, unter anderem für Rolling Stone, taz, NZZ und Zeit-Online. oh

Der Braunschweiger Autor Frank Schäfer outet sich als Couchrebell.

Von André Pause, 17.07.2015.

Braunschweig. Irgendwie ist Frank Schäfers neues Buch „Der Couchrebell“ ein tröstliches. Die dreizehn Geschichten zum Themenkomplex Rebellentum, eingefangen auf dem „Streifzug durchs wahre Leben“ (Untertitel), werden dramaturgisch geklammert durch essenzielle Fügungen in die Einsicht: a) bei genauerer Betrachtung war‘s wohl doch nicht ganz so wild bei mir – früher, b) die Vergangenheit, diese „rosarot angemalte Fantasie“ lässt sich nicht ohne desillusionierende Abstriche reproduzieren.

Launig erinnern jedoch ist immer möglich, selbstverständlich erlaubt, und wenn es ein feiner Stilist wie Schäfer tut, sogar unbedingt erwünscht. Dreizehn in den Raum gestellte Thesen legitimiert der Autor durch gelebte Realität in Form von Geschichten, die vor allem eines zeigen: Nicht selten ist der Rebell schlicht Projektionsfläche kollektiver, bevorzugt juveniler, Sehnsüchte. Hier wird eine neue Welt gegründet, wird sie in Pippi-Langstrumpf-Manier so zurechtgezimmert, bis sie einem gefällt, hier darf – ja muss – von der Norm abgewichen werden.
Schäfer verknüpft literarische Vorlagen sowie Musikgeschichte mit eigenem Erleben und treibt es in seinem Outing als Couchrebell phasenweise bis zur natürlich kokett inszenierten Selbstbezichtigung.
Er beleuchtet verschiedenste Facetten des Dissidententums und wagt sich mit seinem Sujet auch an die Abgründe, an die eigentlichen Tragödien. So ist die vielleicht (be)rührendste Geschichte im Buch die jener Rebellen, die sich ihr Schicksal nicht ausgesucht haben. Von Bartleby, einem Totalverweigerer in Sachen Leben, dem Helden aus Herman Melvilles gleichnamiger Erzählung gelangt der Verfasser schnurstracks zum eigenen Onkel Adolf. Der integrationsunfähige Familienrebell ist ein vom Alkohol zerfressener, im Grunde „unmöglicher“ Mann. Doch auch bei ihm lässt Schäfer die guten Seiten durchblitzen. Wie gesagt: Wir haben hier ein sehr tröstliches Buch – und ein sehr kurzweiliges dazu.

Frank Schäfer: Der Couchrebell. Streifzüge durchs wahre Leben. Erschienen im Verlag Herder (2015) 192 Seiten, Preis: 14,99 Euro. ISBN: 978-3451313028.
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