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Eine Kokosnuss ist eine Kokosnuss ...

 

Die zehnte Auflage von Pop Meets Classic verlief weitestgehend überraschungsfrei – Bosse dabei

Von André Pause, 24.04.2016.

Braunschweig. Wer einem Zugereisten die Braunschweiger Art oder gar Identität erklären möchte, sollte ihn zu einem Besuch von Pop Meets Classic (PMC) überreden – danach weiß der Fremde alles, was er wissen muss.

Die alljährliche Begegnung von Pop und Klassik in der Volkswagenhalle – am Samstagabend ging die zehnte Folge über die Bühne – ist sozusagen das Mächtigkeitsspringen regional und überregional bekannter Lokalmatadoren des popkulturellen Kosmos, eingebettet in und gerahmt von der Musik des Staatsorchesters Braunschweig und der Pop-Meets-Classic-Band, die ihrerseits aus Musikern der omnipräsenten Jazzkantine besteht.

Wahrscheinlich kann man, was die Dramaturgie eines solchen Abends anbelangt, das Rad nicht immer wieder neu erfinden. Das allerdings scheint auch gar nicht nötig, denn zum einen ist die instrumentale Qualität der Veranstaltung zugegebenermaßen hochklassig und zum anderen steht der Braunschweiger getreu dem Motto „war gut, ist gut, bleibt gut“ ja bekanntermaßen auf wohldosierte Wiederholung.

So meint man, manch ein Bonmot des ewigen Moderators Markus Schultze – der Zusatz MTV durfte hier lange Zeit nicht fehlen – schon einmal gehört zu haben, Tom Ruhstorfer ist ohnehin auf den Hit „Schweine im Weltraum“ seiner 80er-Band FEE abonniert und bei Tenor Arthur Shen glaubt mittlerweile sicher manch ein Besucher, dass er – so oft, wie er es singt – „Nessun dorma!“ auch komponiert und getextet hat.

In der ZDF-Hitparade hieß es einst: War dreimal dabei, darf nicht wiedergewählt werden. Bei Pop Meets Classics ist das egal. Silent Radio interpretieren bei ihrem fünften PMC Eurythmics „Here Comes the Rain Again“ und Tears for Fears „Woman in Chains“ gediegen aber relativ erwartbar, und auch Sascha Münnich macht den Dreier komplett. Die Soul- und Blues-Röhre freilich ist mit Queens „Somebody to Love“ und dem Beatles-Klassiker „With a Little Help from My Friends", das er zusammen mit Bejane und The Mix präsentiert, zugleich Höhe- und Schlusspunkt der ersten Hälfte.

Nach der Pause bekommt der Abend doch etwas mehr Zug. Sweety Glitter & The Sweethearts heben die Stimmung, bevor, selbst für das Programmheft zu überraschend, Bosse auf die Bühne kommt, um „Steine“, die erste Single des aktuellen Nummer-eins-Albums „Engtanz“ und „Schönste Zeit“, seine Hommage an die Heimatstadt Braunschweig zum Besten zu geben. Der Höhepunkt – da hält es niemanden in der ausverkauften Halle mehr auf den Sitzen. Das Brüderpaar Kai und Thorsten Wingenfelder, Ex-Fury-in-the-Slaughterhouse, vermag dieses Begeisterungslevel im Anschluss nicht ganz zu halten, reißt das Publikum mit seinem 80er-Hit „Time to Wonder“ aber ebenfalls mit.

Sehens- und hörenswert sind das vom künstlerischen Leiter Christian Eitner und Markus Schultze gemeinsam vorgetragene „Mensch sa helle“ des Braunschweiger Originals Harfen-Agnes, was Eitner mit einem schönen Appell an die Mitmenschlichkeit einleitet und bei dem viele im Saal textsicher mitsingen sowie die musikalischen Epitaphe für zuletzt verstorbene Größen der Musikwelt im Schlussdrittel. David Bowies „Space Oddity“ und „Purple Rain“ von Prince sind dabei schon eher programmkompatibel als Motörheads „Ace of Spades“, das Rapper Cappuccino verstärkt durch Tom Ruhrstorfer in Richtung Auditorium grölt.

Dort gucken sich einige etwas verstört an, und ein Musiker des Staatsorchesters hält sich sicherheitshalber gleich mal die Ohren zu. Dennoch: Hier wird die Komfortzone mal verlassen. Und das tut regelrecht gut bei dieser doch recht eingefahrenen Veranstaltung.
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