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Ein zweiter Blick – und die Gitarre

Treffen bei Paulis Konzertagentur: Heinrich Doc Wolf spielt Johnny Cash. Foto: Thomas Ammerpohl

Heinrich Wulfes, alias Doc Wolf, lebt in Neudorf-Platendorf bei Gifhorn – Konzerte mit Gunter Gabriel abgesagt.

Von Ingeborg Obi-Preuß, 18.05.2016.

Braunschweig. „Was du im Kopf hast, kann dir keiner nehmen“, Heinrichs Oma – damals in Neudorf-Platendorf – war eine kluge Frau. Und Heinrich hat ihr gut zugehört und brav gelernt.

„Ich war der Zweite, der bei uns im Dorf Abitur gemacht hat“, blickt der 65-Jährige zurück, „wenn auch nur mit ’ner Vier, ich war ’ne faule Socke“, sagt er und lacht dröhnend. Heute spricht er sieben Sprachen, und – was viel wichtiger ist – er kann sie auch singen. Gerade ist Heinrich Doc Wolf (so sein Künstlername) auf Tournee mit Gunter Gabriel. Im Büro von Paulis Konzertagentur erzählt er aus seinem Leben.
„Storytellers, zwei Männer, 2000 Geschichten“ heißt das Programm. Und wer sich mit Doc Wolf unterhält, ahnt schnell, dass es auch noch weit mehr als 2000 Geschichten werden könnten. Der Mann hat viel zu erzählen.

Auf den zweiten Blick

Es braucht einen zweiten Blick und den Moment, in dem der 65-Jährige zur Gitarre greift, um zu erkennen, dass da ein echter Künstler sitzt. Ein Countrysänger der Oberklasse. Denn zunächst wirkt Doc Wolf ein wenig, na sagen wir mal, prollig. Plötzlich wandelt sich dieses Bild, die Gitarre in den Armen verschleiert sich der Blick, ist irgendwo in die Ferne gerichtet, die fast grob wirkenden Hände tanzen geradezu filigran über die Seiten und – Johnny Cash steht im Raum. „Ring of Fire“, vom Original nicht zu unterscheiden, klingt durch die Büroräume.

„Ich spiel euch noch eins“, sagt Doc Wolf gleich im Anschluss und stimmt ein Chanson an. „L’accordéon“, in perfektem Französisch. Ein großes Talent hat dieser Mann, eine große Stimme. „In Berlin bin ich King“, erzählt er von gut besuchten Konzerten, „mein Publikum dort ist jung, keine 30 Jahre alt“, schiebt er stolz nach. Johnny Cash sei wieder mächtig angesagt, die Fanszene höchst aktiv. Zumal, wenn sie von Musikern wie Heinrich Doc Wolf belebt wird, der auch Cashklassiker ins Plattdeutsche übersetzt.

Der Mann ist das, was man gemeinhin einen bunten Hund nennt. Sein Leben ist bewegt, offensichtlich hat er zahlreiche Talente. Nach dem Abi ging es auf eine Hotelfachschule in die Schweiz („ich wollte immer in die Welt“, erklärt er die Berufswahl), schon dort hatte er eine Band, gab Konzerte in Gefängnissen, er war Reisleiter bei Neckermann, hatte Jobs an der Algarve, in Luxemburg und London, später handelte er 20 Jahre lang mit alten Bussen, ist auch hier Spezialist geworden und heute einer von bundesweit fünf vereidigten Sachverständigen für Oldtimer. Heinrich Wulfes hat ein Ultraleichtflugzeug, das er selber fliegt, ein Flugfeld in seinem geliebten Neudorf-Plattendorf, ein eigenes Plattenlabel in Gifhorn, einen erwachsenen Sohn und eine „fantastische Frau“, die das Leben an seiner Seite mitmacht.
Lange Zeit war Pause mit der Musik, erst vor 15 Jahren ist Doc Wolf wieder eingestiegen. Seit drei Jahren sind er und Gunter Gabriel mit den „Storytellern“ unterwegs. „Storys“ aus zwei extrem bewegten Leben gibt es da zu hören, von engen Freundschaften mit Johnny Cash und seiner Familie, von Charthits in den USA.

„American Soul“ heißt das nächste Projekt, das Doc Wolf auf dem Zettel hat, produziert von Michael Holm. „Der hat ein eigenes Label in den USA, dort schon neun Nummer-1-Hits produziert“, erzählt Doc Wolf. Die Szene ist relativ klein, der Mann aus Neudorf-Platendorf kennt alle. Hat für viele – zum Beispiel Truck Stop – Songs geschrieben. Aber – er ist noch immer „eine faule Socke“. Er will nicht dauernd unterwegs sein, „ich bin doch kein Busfahrer“, sagt er, sucht sich seine Gigs aus, macht langsam und genießt das Leben.

Konzerte abgesagt

Wie der Veranstalter in der vergangenen Woche mitteilte, mussten die Konzerte von Doc Wolf und Gunter Gabriel in der Region leider kurzfristig abgesagt werden mussten. Ersatztermine stehen noch nicht fest.
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