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Ein zweistündiger Ritt durch die Diskographie

Sven Regener und seine Band Element of Crime präsentierten in Braunschweig einen gut ausbalancierten Querschnitt ihres Schaffens seit 1993. Foto: André Pause

Element of Crime überzeugen vor 2000 Besuchern bei Kultur im Zelt.

Von André Pause, 23.09.2016.

Braunschweig. Auch wer Sardinen aus der Dose nicht zu seinen Lieblingsgerichten zählt, musste am Donnerstagabend bei Kultur im Zelt mit ziemlicher Sicherheit an die lukullische Spezialität aus der Heringsfamilie denken. Wieso? Die Berliner Band Element of Crime gastierte im Bürgerpark, und rund 2000 Fans wollten sich das Konzert der Dauerbrenner in Sachen melancholisch angehauchter Pop-Chanson nicht entgehen lassen.

Rund zwei Stunden dauert der Ritt durch die deutschsprachigen, bis dato regulär acht Alben umfassende Diskographie von Element of Crime. Eine Menge Holz. Sieben von zehn Stücken des aktuellen Albums „Lieblingsfarben und Tiere“ bekommen die dicht an dicht stehenden Konzertbesucher geboten, außerdem ein Cover des Titels „She Brings the Rain“ von der Krautrockgruppe Can, den neuen, bislang unveröffentlichten Song „Immer noch Liebe in mir“, sowie ein Potpourri mit Meilensteinen der Band, welche ein Gutteil des Publikums im Schlaf mitzusingen in der Lage ist.

Frontmann Sven Regener und seine brillant harmonierenden Bandkollegen Jakob Ilja (Gitarre), David Young (Bass) und Richard Pappik (Schlagzeug) – Rainer Theobald ist live als Saxofonist dabei – haben den Abend dramaturgisch so gestaltet, dass sich die aktuellen Nummern und Songs mit Weißt-Du-noch-Potenzial abwechseln. Der Opener „Wenn der Morgen graut“ stammt vom 20 Jahre alten „Die schönen Rosen“. „Vier Stunden vor Elbe 1“, „Rein gar nichts“ und „Weißes Papier“ – die hochemotionale Rekapitulation einer partnerschaftlichen Beziehung im Zwiegespräch mit sich selbst, bei der der Zuhörer mit Träne im Knopfloch die Koffer zum Auszug im Geiste mitpackt – sind sogar noch älter.

Zentrales Motiv auffallend vieler Songs des Abends – ob aktuell oder gut abgehangen – ist die romantische Liebe und die Sehnsucht nach dem Verlorengehen derselben. Das ist manchmal zum Verrücktwerden traurig, doch Element of Crime verstehen es seit jeher meisterlich, den lyrisch herbeigerufenen Schmerz zu lindern, die alten Wunden quasi musikalisch zu salben.
Da kehrt das Urvertrauen zurück – und die Fans im Zelt sind völlig aus dem Häuschen. „So ist das“, sagt Sven Regener.
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