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Ein Stück zur Komplexität der Persönlichkeit

Regisseur David Hermann inszeniert Arthur Schnitzlers „Traumnovelle“ für das Staatstheater – Heute Abend ist Premiere im Kleinen Haus.

Von André Pause, 02.02.2013.

Braunschweig. Zweimal ist Arthur Schnitzlers „Traumnovelle“ verfilmt worden. Im Musiktheater ist das Stück eine Uraufführung. Regisseur David Hermann hat die Geschichte um unerfüllte Wünsche und Begierden des Ehepaars Albertine und Fridolin für das Staatstheater inszeniert. Die Premiere ist heute um 19.30 Uhr im Kleinen Haus.

Der europaweit agierende Regisseur verspricht eine spannende Geschichte, dessen zentrales Thema zeitlos ist. „Es geht einfach darum, wie gut man sich selbst und den anderen kennt. Wie kommt man in die Bereiche, die mit Traum, mit Verdrängtem zu tun haben? Was lösen Begegnungen aus? Wie verändern sie die Biografie? Das sind tolle Themen.“
Auf 85 Minuten Länge haben Hermann und Alex Nowitz (Komposition) die „Traumnovelle“ gebracht. Klingt nach Verdichtung. „Ja, es ist sehr dicht. Teilweise sind die Szenen sehr kurz und prägnant. Das Schöne ist, dass es so einen dualen Rhythmus hat. Schnitzler wollte es Doppelnovelle nennen, weil Albertine und Fridolin zwei Pole sind. Wir haben den Part der Albertine aufgewertet und vergrößert. So oszilliert das Stück immer zwischen eher actionreichen Szenen mit Fridolin und eher ruhigen, traumverlorenen Szenen mit Albertine. Es gibt quasi eine Schwingkurve, die immer schneller wird und am Ende zusammentrifft. Wir wollten immer etwas, das wie ein Roadmovie läuft. Mit vielen Eindrücken, gerade weil Oper immer vorgeworfen wird, dass sie zu lang und ohne zeitgenössischen Rhythmus sei“, erläutert Hermann.
Die Bühnensituation beschreibt der 36-jährige Wahlberliner als nüchtern, aber geheimnisvoll, als Ort ohne Halt. Für die zweite Ebene, die Traumwelt der Albertine wird musikalisch sogar ganz getrennt: „Es gibt zwei Orchester. Da kann man sehr gut verfolgen, wie Albertine sich in ihren Träumen immer weiter verfängt und erweitert, und Fridolin versucht, auf dem Boden der Tatsachen etwas zu erleben. Beides ist intensiv. Bei Albertine ist es eher eine Erfüllung als ein Traum, und bei Fridolin ist natürlich auch ganz viel Frustration dabei. Da vermischen sich die Ebenen, um am Ende die Frage offen zu lassen: Was haben Albertine und Fridolin über sich gelernt? Und da ist die klare Erkenntnis: Man kennt sich nie ganz. Das ganze Leben ist man auf der Entdeckung nach sich selbst oder nach dem anderen. Das hört nie auf“, beschreibt der Regisseur, der an die gern und oft propagierte Offenheit unter Menschen nicht ganz glauben mag. So sei Sexualität in den Medien zwar publik, doch wenn es im Vieraugengespräch ans Eingemachte ginge, merkten viele doch, dass sie Hemmungen haben. „Ich denke, dass die Persönlichkeit immer noch etwas sehr Komplexes ist und nicht erklärt werden kann“, sagt Hermann.
Haben die Protagonisten diesbezüglich Leichen im Keller? „Zumindest gestehen sie sich ein, dass sie Wünsche haben. Das finde ich eigentlich mutig. Jeder hat dunkle, ambivalente Seiten. Das muss man irgendwann akzeptieren. Das ist es ja auch, was einen Menschen spannend macht.“
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