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Ein sehr diffiziler Parforceritt

Beim Klavierfestival Tastentaumel gab es gestern ein Experiment zu Sprache und Musik.

Von Daniel Beutler, 04.03.2012.

Braunschweig. In der Alten Rotation des Braunschweiger Zeitungsverlages erlebten 170 Zuschauer gestern Abend einen Parforceritt durch das Kuriositätenkabinett der deutschen, zum Teil vergessenen Sprache.

„Wollen wir denn alles retten, konservieren, ins Kühlfach packen?“, lautete eine Zeile, die von Schülerinnen der IGS Querum gesungen wurde. „Nein“, sagte Kay-Uwe Rohn, der als Betreiber des Wortmuseums das Fundament lieferte, auf dem Jan Heie Erchinger am Flügel und die Theaterschauspielerin Kathrin Reinhardt zusammen mit 50 Schülern der IGS und des Richarda-Huch-Gymnasiums experimentierten.
„Es war eine Performance, bei der wir nicht wussten, ob sie klappt. Wir konnten erst kurz vor dem Auftritt die 17 Fragmente zusammensetzen. Zuvor hatte jeder für sich geprobt“, berichtete Reinhardt.
Dafür klappte die Aufführung erstaunlich gut und bot einen Mix aus Konzert und Performance, aus Genießen und Grübeln. Schlicht schön die Soli von Erchinger am Flügel, kaum greifbar die Passagen, in denen ein Potpourri aus alten Worten wie verbos, maliziös oder klandestin oft einziger Bestandteil waren.
„Wir wollten gar nicht erklären oder gefallen“, sagte Rohn, „Wir wollen etwas zur Verfügung stellen, etwas Sinnliches bieten.“ Das Ziel hat der Beitrag problemlos erreicht. „In meinem Alter hat man mit so einer Art Kunst nicht viel zu tun. Es hat auf jeden Fall nachdenklich gemacht, einen berührt. Und ich bin neugierig auf alte Worte geworden“, befand der 46-jährige Thomas Scholz, dessen Tochter mit auf der Bühne stand.
So lässt sich getrost sagen, die gestrige „Wortmuseum-Schau“ war zwar weder kommod noch frugal, sondern eher stupend und spinös, aber doch ambrosisch. Und das ist, auch wenn man es nicht gleich versteht, ein Lob für ein gewagtes Experiment, das am Enge gelungen ist.
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