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Ein Romantiker trifft ins Herz

„Akustisch“, hieß das Konzert von Philipp Poisel in der Stadthalle. Begleitet von Cello, Piano und akustischen Gitarren. Foto: Thomas Ammerpohl

Philipp Poisel begeistert 2500 Menschen in der ausverkauften Stadthalle.

Von Ingeborg Obi-Preuß, 14.11.2015.

Braunschweig. Er wird schon bejubelt, bevor er überhaupt auf die Bühne kommt. Das Publikum in der ausverkauften Stadthalle steht mit Philipp Poisel ganz offensichtlich auf du und du.

„Ich und du“ heißt sein erster Song, den er einfach so singt: Er kommt ohne Attitüde, ohne alles sozusagen. Er steht halt da, schwarze Hose, schwarzes Hemd, die Gitarre in der Hand, die Haare in der Stirn. Ein bisschen schüchtern, ein bisschen Knuddelbär, wie gerade aus der Unibibliothek.
Die Stimme brüchig, melancholisch, weinerlich. Nicht wirklich schön im klassischen Sinn. Aber sie trifft – mitten ins Herz. Radikale Innerlichkeit scheint sein Konzept zu sein. Ein Romantiker.

Vier Jahre ist es her, dass Philip Poisel zuletzt in Braunschweig war, die Menschen im Saal scheinen sehnlichst auf ihn gewartet zu haben.
Und Philipp Poisel auf „seine Braunschweiger“. Es fühlt sich zumindest so an, der 31-Jährige freut sich wie Bolle über den tosenden Applaus. Und der brandet bei einigen Songs schon mit dem ersten Ton auf. „Wie soll ein Mensch das ertragen?“ gehört dazu, da sitzt der Sänger ganz allein im Lichtkegel am Klavier.

Überhaupt – das Licht. Auch so ein spezielles Konzept. Poisel hat sein Publikum vermutlich gut gesehen, das Publikum vom Sänger eher weniger. Nur einzelne Lichtpunkte schimmern, Kerzenscheinambiente wechselte mit blendendem Gegenlicht. Der Mann auf der Bühne hält sein rundes Gesicht lieber im Dunkeln (die Fotografen jedenfalls hatten kein leichtes Spiel).
„Wie die Zeit vergeht, merke ich vor allem daran, dass mein Hemd nicht mehr passt“, flachst der Sänger zwischendurch und zippelt an seinem Hemd rum, das wirklich wie eine Wurstpelle sitzt. „Oder ich hab das von Flo erwischt“, scherzt er, der „Spargel“ Flo (Florian Ostertag) grinst. Der Musiker kommt zum Ende des Konzerts noch ganz groß raus mit stampfender Synthesizermusik und leuchtender DJ-Flo-Aufschrift.

Bis dahin aber geht es vor allem ruhig und häufig auch traurig voran. Die Balladen werden vom Publikum fast andächtig mitgesungen: „...ich hab furchtbar Angst vorm Tod, ich hoff wir sind dort nicht allein, auch wenn das Leben so oft traurig ist, bin ich froh, froh dabei zu sein....“
21.20 Uhr verabschiedet sich der gebürtige Schwabe zum ersten Mal, aber seine Fans wären nicht seine Fans, wenn sie nicht wüssten, wie es läuft: Die Zugaben kommen prompt. „Damals im Zirkus“ heißt das Lied, „ich hab getanzt als gäb’s kein Morgen mehr“ eine Textzeile. Und das tun die Leute jetzt auch. Alles steht, Seifenblasen steigen in die Luft, alles klatscht und tanzt. Und ganz zum Schluss noch einmal ein typischer Poisel (hier hört man gut das Ziehkind von Herbert Grönemeyer): „Ich will nur, dass du weißt, ich hab dich immer noch lieb. Und dass es am Ende auch keine andere gibt. Die mich so vollendet. Die mich so bewegt.“
2500 Menschen singen textsicher mit. Ein ganz besonderer Chor.
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