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Ein redseliger Mittzwanziger

Songwriter Philipp Poisel begeistert die Besucher in der ausverkauften Meier Music Hall.

Von André Pause, 13.02.2011

Braunschweig. Hamburg, Mainz, Köln, Kassel – egal, welcher Stadt der Sänger und Songwriter Philipp Poisel im Moment seine Aufwartung macht, die Konzerte sind ausverkauft. Warum sollte das ausgerechnet beim Konzert in Braunschweig anders sein.

Für den Abend in der Meier Music Hall gab es seit Mitte Dezember keine Karten mehr. Dass die Tour zum aktuellen Poisel-Album „Bis nach Toulouse“ ein Erfolg werden würde, war allerdings abzusehen. Bereits mit „Wo fängt Dein Himmel an?“ (2008) hatte sich der als Geheimtipp gehandelte Wahl-Stuttgarter eine beachtliche Fangemeinde erspielt. Und auch die zweite bei Herbert Grönemeyers Label „Grönland Records“ veröffentlichte Platte vereint emotionale, hintersinnige und bisweilen stark melancholische Texte mit eingängigen wie gefühligen Melodien.
Im Meier bekommen die Besucher allerdings erst einmal anderthalb Stunden Vorprogramm zu sehen, was freundlich angenommen wird, einigen aber entschieden zu lange dauert. Es ist bereits halb zehn, als die Band recht unvermittelt losspielt, Poisel kurze Zeit später auf die Bühne schleicht und sich die Gitarre umhängen lässt.
Der Beginn mit dem Opener „Für keine Kohle dieser Welt“ gerät druckvoll, die Bandmaschine wirkt vom Start weg gut geölt. Da kann man schon mal schelmisch grinsen. Insgesamt wirkt Poisel sehr authentisch, was sich vor allem bei seinen Geschichten zwischen den Stücken bemerkbar macht. Da erzählt er eine Nuance zu ausführlich von Freunden, World-Cup-Pisten, von Alberto, einer Liebe in Schweden und von seinem 18 Quadratmeter-WG-Leben mit zwei Mädchen. Raum für Musik – 16 Lieder in rund zwei Stunden – bleibt trotzdem noch. Am meisten heraus stechen an diesem Abend wohl das wah-wah-gitarrige „Mit jedem Deiner Fehler“ und „Als gäb’s kein Morgen mehr“, zu der Poisel wie von Sinnen tanzt. Nicht nur hierbei ist der 27-Jährige seinem Mentor Herbert Grönemeyer auffallend ähnlich. Auch der Poesie-Fundus der beiden scheint ein und derselbe zu sein, was vor allem bei den neuen Stücken, insbesondere bei „Zwischen innen und außen“ sowie „Zünde alle Feuer“ signifikant ist. Vielleicht benötigt das Publikum deshalb keine Extraeinladung und singt textsicher mit. Das ist nicht immer eine Wonne, denn manch einer hängt im Tempo, und so wird aus einem gesungenen „halt mich fest“ ein Gezische, das dem der Dschungelbuch-Schlange Ka ähnelt.
Trotz allem: Ein toller Abend. Und wer weiß, wie oft Philip Poisel nach dieser erfolgreichen Tour noch in solch einem intimen Rahmen zu erleben sein wird.
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