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Ein Platz für viele heiße Tänze auf dem Dach

Heiner Heumann (M.) und Siegfried Schlageter (r.), hier mit Beleuchtungsmeister Jörg Schmidt, sind stolz auf ihr Werk: Die Bühne für die „West Side Story“ auf dem Burgplatz. Fotos: Susanne Hübner
 
Bühnenbildnerin Barbara Bloch schneidet ein Loch in eine Werbewand, da auf dieser sonst die Windlast zu groß wäre.

Das Bühnenbild der „West Side Story“ stellte die Theatertechniker vor neue Herausforderungen.

Von Martina Jurk, 06.07.2014.
Braunschweig. Die Premiere ist das Ende – jedenfalls für Siegfried Schlageter. Wenn sich heute Abend der symbolische Vorhang für das zwölfte Burgplatz-Open-Air hebt, geht für den Bühnenmeister ein langer Lebensabschnitt zu Ende. Der 63-Jährige geht in den wohlverdienten Ruhestand. Er und sein Technischer Leiter Heiner Heumann (57) haben beide 36 Jahre am Staatstheater auf dem Buckel.

Aber nicht nur deshalb ist die „West Side Story“ etwas Besonderes. Das Bühnenbild ist es ebenfalls. „Es ist ein Musical, in dem viel getanzt und gesprungen wird. Es musste also auch eine große Fläche dafür geschaffen werden. Dinge, die die typischen Dächer von New York ausmachen, wie Ausstiegsluken, Schornsteine, Wassertanks, Plakatwände, mussten integriert werden“, beschreiben Heumann und Schlageter die besondere Herausforderung. Was Bühnenbildnerin Barbara Bloch entworfen hat, setzen die beiden am Ende um – in ständiger Zusammenarbeit mit den Kollegen in Tischlerei und Schlosserei. „Und bis kurz vor der Premiere gibt es immer wieder Änderungen“, sagt Siegfried Schlageter. Dabei wirkt er, als könnte ihn nichts aus der Ruhe bringen. Die Erfahrung macht es. „Aber Routine gibt es dennoch nicht, das wäre furchtbar“, meint er.
Der Herausforderungen sind das aber lange nicht genug. „Was machen wir mit dem Burglöwen?“, lautete eine weitere Frage. „Er wird umtanzt“, hat Heiner Heumann als präzise Antwort parat. Allerdings ist das Wappentier von einem Gestell umgeben, auf dem die Tänzer sich halsbrecherisch verrenken. „Das Metallgestell darf nicht im Boden verankert werden. Das heißt, es steht frei und ist mit Ballast gesichert“, erklärt der Bühnenmeister. Ursprünglich habe es auch die Idee gegeben, den großen Wassertank über dem Löwen zu installieren.
Eine aufgebaute Hauswand muss tagsüber verschwinden, damit für Braunschweig-Besucher der Blick auf den Burglöwen frei ist. Wohin in dieser Zeit mit Wassertank und Hauswand? Auch darüber musste sich die Technikcrew Gedanken machen. Damit wird dem Wunsch der Stadt Rechnung getragen. „Wir haben eine Abmachung. Der Stadt sind wir ja auch dankbar, dass wir jedes Jahr auf dem Burgplatz Theater spielen dürfen“, betont Heumann.
Die nächste Herausforderung: keine hohen Aufbauten in der Mitte der Bühne (wegen der vielen Tanzszenen). Und so sieht es tatsächlich wie auf einem New Yorker Dach aus. Der Eindruck hellgestrichener Dachpappe wird durch entsprechend behandeltes Holz erweckt. Ein verschlissenes Sofa, ein alter Gartenstuhl, eine Matratze und Kästen, in denen die Blumen nicht mehr ganz frisch aussehen (sie werden aber gegossen), und der Löwenzahn sich breit macht, sind die Requisiten. Und dann stehen dort viele alte Nähmaschinen, die Bürger einem Aufruf des Staatstheaters folgend zur Verfügung gestellt haben. Was die dort sollen? „Das können wir vor der Premiere leider nicht verraten“, drucksen Heumann und Schlageter herum.
Eine Besonderheit bei jeder Freiluftproduktion ist das Wetter. „Wir haben das Holz auf der Bühne so verlegt, dass kleine Spalten das Ablaufen von Regenwasser ermöglichen. Aber trotzdem können die Tänzer bei Feuchtigkeit ausrutschen oder sich eine Zerrung zuziehen. Deshalb werden die Tanzschuhe mit Antirutschspray präpariert“, verrät Schlageter. Weiter geht‘s: Ein Statiker hat festgestellt, dass die Windlast auf den Plakatwänden zu groß ist. Schnell schneidet Bühnenbildnerin Barbara Bloch noch ein Loch in die Werbefläche.
50 Mann haben drei Tage lang am Bühnenaufbau gearbeitet. „Und das ist eine von 32 Produktionen, die am Theater laufen“, bemerkt Heumann. 18 Mal geht die „West Side Story“ über die Burgplatzbühne. „Es wird etwas lauter als in den vergangenen Jahren. Beim Musical ist mehr Dampf drin“, meint der Technische Leiter.
Heumann und Schlageter hinterlassen bei den Burgplatzgeschichten ihre Handschrift. Der eine bereits zum zwölften, der andere zum elften Mal. „Jedes Mal gab es besondere Anforderungen, von Sand über Schafe bis zum Pferd im Jeep auf der Bühne“, erinnert sich der Bühnenmeister.
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