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Ein neuer Blick auf Geschichte

Ab heute ist die Sonderausstellung „A sentimental journey“ im Landesmuseum zu sehen

. Von Martina Jurk, 17.10.2012

Braunschweig. Warum nicht einmal anders an Geschichte herangehen, als wir es gewohnt sind? Nicht nur mit Verstand, sondern auch mit Gefühl – ein außergewöhnliches Konzept, das das Landesmuseum mit der Sonderausstellung „A sentimental journey“ umsetzt. Ab heute können die Besucher zu einer „empfindsamen Reise“ durch die Gemäldesammlung aufbrechen.

Die Idee, die Museumsdirektorin Dr. Heike Pöppelmann hatte, ist nicht neu, aber dennoch genial umgesetzt – ein Experiment. Das Konzept orientiert sich am „musée sentimental“. Nicht die Biografien der Porträtierten stehen hier im Mittelpunkt, sondern besondere Lebensmomente oder Situationen in ihrem Alltag. „Wir richten den Blick auf das Individuum, das ja auch ein Zeitzeuge seiner Epoche ist. Das ermöglicht, bislang weniger bekannte Momente Braunschweiger Geschichte zu entdecken“, erläutert Heike Pöppelmann.
Es sind ausschließlich Gemälde, nur Porträts. 26 von insgesamt 2700 Objekten. Das Alphabet ist das Ordnungselement – Lebensmomente von A wie Auswandern bis Z wie Zukunft. Die Porträts sind diesen Begriffen beziehungsweise die Begriffe dargestellten Personen zugeordnet worden. Kuratorin Dr. Angela Klein hat akribisch zu den Porträtierten recherchiert. Und es kommen erstaunliche Geschichten ans Licht. Da ist zum Beispiel Auguste Caroline Burmester, die den Gärtner von Schloss Richmond geheiratet hat. Der älteste Sohn wanderte 1851 nach Amerika aus, so wie in dieser Zeit mehr als 7000 Menschen das Herzogtum verließen. Die Miniatur Auguste Caroline Burmesters gelangte durch die Auswanderung weiterer Angehöriger nach Kapstadt. In den 1950er Jahren kam das Bildnis nach Braunschweig zurück. „Es ist also eine Geschichte aus dem Leben der Porträtierten, die die Verhältnisse der damaligen Zeit widerspiegelt. Auswandern war ein Thema“, stellt Heike Pöppelmann den Zusammenhang her.
Da ist auch Graf Sauerma, der die Nichte Louis Spohrs geheiratet hat, oder der Ingenieur Franz Trinks, der die Produktion in der Nähmaschinenfabrik Grimme auf Rechenmaschinen umstellte.
Die Ausstellung endet im Heute, denn der letzte Ausstellungsraum ist als Fotostudio eingerichtet. Dort können sich die Besucher selbst porträtieren lassen. Die Fotos werden dann in der Ausstellung an eine Wand projiziert. „Die Geschichten der Porträtierten von damals und heute zu vergleichen, wird spannend werden“, glaubt Pöppelmann.
Die Porträts sind der Auftakt der neuen Sonderausstellungsreihe. „Es gibt noch viele Sammlungsobjekte, die in diese Reihe passen und viele Ideen“, verrät die Museumsdirektorin. Eine konkrete Abfolge gäbe es aber noch nicht.

Service:
Sonderausstellung „A sentimental journey no 1: Porträts“ im Landesmuseum: 17. Oktober bis 3. März 2013, geöffnet dienstags 10 bis 20 Uhr, mittwochs bis sonntags 10 bis 18 Uhr
Eintritt: Erwachsene vier Euro, ermäßigt drei Euro, Kinder (sechs bis 14 Jahre) zwei Euro
„Mein Porträt – meine Geschichte“: Termine mit Fotografin Ingeborg Simon mittwochs von 15 bis 17 Uhr am 24. Oktober, 14. November, 12. Dezember, 9. Januar und 13. Februar
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